Berner «Safari-Morde»: Rekurs wahrscheinlich

16 Jahre nach dem Vierfachmord im Berner Tearoom Safari ist in der Türkei einer der Täter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Angehörigen sind empört.

Zwei Männer untersuchen ein eingeschlagenes Fenster mit einer Lampe.

Bildlegende: Beamte der Stadtpolizei Bern bei der Spurensicherung nach der Tat. Keystone

Der Mann hatte die Tat stets abgestritten. Er sei unschuldig, kenne das besagte Tearoom in Bern nicht und könne sich nicht erklären, wie seine DNA-Spuren auf die Tatwaffe gekommen seien, gab er zu Protokoll.

Diesen Beteuerungen glaubte das Gericht in Istanbul nicht. Es sprach den Mann wegen Mordes schuldig. Die ausgefällte Strafe entspreche nach schweizerischem Recht einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe, sagte der Korrespondent der «Berner Zeitung», Stefan Hibbeler, auf Anfrage.

Tatwaffe gefunden, Täter weg

Der Berner Safari-Mord war einer der grössten, ungelösten Kriminalfälle der Schweiz. Am 27. Juli 1998 wurden im Tearoom der kurdische Wirt, zwei türkische Mitarbeitende sowie ein Schweizer erschossen.

Wenige Tage nach der Tat fanden die Ermittler die Tatwaffe. Ein türkischer Staatsangehöriger geriet unter Verdacht, konnte sich aber vor dem Zugriff der Polizei ins Ausland absetzen. 2012 wurde er in der Türkei gefasst; eine DNA-Spur brachte die Ermittler auf die Fährte des Mannes.

«Wenn nötig bis vor den Menschenrechtshof»

Die Angehörigen der Opfer sind mit dem Strafmass nicht einverstanden. Das Gericht habe zwar nach schweizerischem Recht geurteilt, nun käme jedoch der mildere türkische Strafvollzug zur Anwendung, kritisieren sie in mehreren Schweizer Zeitungen.

Sie wollen das Urteil deshalb anfechten: «Wenn nötig gehen wir damit bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte», sagt ein Angehöriger gegenüber der Zeitung «Der Bund».