Berner Sprengstofffabrik rettet Bücher der Landesbibliothek

Die Firma Nitrochemie in Wimmis im Berner Oberland entsäuerte in den letzten Jahren rund eine Million Bücher, um sie so vor dem Zerfall zu schützen. Dass eine Sprengstofffabrik so etwas leisten kann, hat damit zu tun, dass Sprengstoff und Papier eine Gemeinsamkeit haben.

Gittercontainer sind in einem Tresor, ein Mitarbeiter schliesst die Türe.

Bildlegende: Die Entsäuerungsanlage bei ihrer Eröffnung im Jahr 2000. Keystone (Archiv)

Sprengstoff wie auch Papier bestehen unter anderem aus Zellulose. Und weil sich die Chemiker und Anlagenbauer der Sprengstofffabrik mit diesem Stoff auskennen, steht in Wimmis seit 15 Jahren eine Entsäuerungsanlage.

Abteilungsleiter Markus Reist gefällt das neue Aufgabenfeld: «Plötzlich habe ich mit Restauratoren oder Archivaren zu tun - die haben eine andere Denkweise als Militärs oder Techniker.» Auch gefalle ihm, dass er zur Erhaltung eines Kulturguts beitragen könne.

Zuerst Flüssigkeit entziehen, dann fluten

Die Entsäuerung ist ein Prozess in mehreren Schritten: Den Büchern wird zuerst in einem Vakuum die im Papier enthaltene Flüssigkeit entzogen, um sie danach zu fluten: Mit einem Silikonöl, welches Magnesiumkarbonat enthält. Dieses braucht es zur Entsäuerung.

Sind die Bücher durchtränkt, wird die Flüssigkeit abgelassen und die Bücher werden erneut vakuumiert. Das Silikonöl verschwindet spurlos, zurück bleibt das Karbonat. Danach lagern die Bücher mehrere Wochen in Belüftungskammern, denn erst an der Luft wird der chemische Vorgang der Entsäuerung ausgelöst.

Sehen kann man das nicht, deshalb gehört zu jedem Auftrag auch eine Laboranalyse. «Wir müssen dem Kunden ja beweisen können, dass wir wirklich etwas gemacht haben», so Markus Reist.