Berner Theaterdirektor erklärt Freistellung von Gräve

Einzig «grundlegende inhaltliche und strategische Differenzen» waren als Grund für die fristlose Freistellung der Schauspielleiterin von Konzert Theater Bern (KTB) vor zwei Wochen angegeben worden. Nun hat KTB-Intendant Stephan Märki erstmals mehr dazu gesagt.

Stephan Märki, Xavier Zuber und Estefania Miranda auf der Baustelle des Kubus auf dem Berner Waisenhausplatz.

Bildlegende: Stephan Märki (links) mit reduziertem Leitungsteam: Xavier Zuber (Opern und Konzerte) und Estefania Miranda (Tanz). Elisa Häni/SRF

Zwei Wochen lang hat die Theaterleitung geschwiegen, die fristlose Freistellung von Stephanie Gräve nach nur ein paar Monaten im Amt wurde nicht weiter erklärt. Am Rand einer Medienkonferenz zum Programm im Theaterkubus auf dem Waisenhausplatz hat sich KTB-Intendant Stephan Märki auf Nachfrage von Radio SRF erstmals so erklärt:

SRF: Wenn es zwischen Ihnen und Stephanie Gräve strategische Differenzen gab - was wird nun anders im Schauspiel, wenn sie weg ist?

Stephan Märki: «Ich kann einfach sagen, was mir wichtig ist. Mir ist eine zeitgenössische - auch eine zeitgenössische - Auseinandersetzung wichtig, eine Reibung mit dem Ort, mit der Stadt (...). Ich sehe es so, dass Theatersubvention eine Risikoförderung ist. Natürlich sucht jeder Intendant ein ausgewogenes Programm, aber ich finde, subventioniertes Theater muss auch einmal eine Zumutung sein. Im Sinn von ‹der Erwartungshaltung, die ein Publikum hat, nicht eins zu eins zu entsprechen›. Und ich bin auch nicht der Meinung, dass Theater und Kirche die gleiche Aufgabe haben.»

SRF: «Was Ihnen wichtig ist - davon wird es also jetzt mehr geben und ‹weniger Kirche›?»

Märki: «Es gab und gibt ja eine grosse Kooperation mit Kirchen. Aber ich bin nicht der Meinung, dass das Theater die Aufgabe hat, Antworten auf die grossen Menschheitsfragen zu geben. Im Gegenteil: Ich bin der Meinung, Theater hat Fragen zu stellen. (...) Ich sehe in unserem Tun die Frage des Glaubens durchaus als Theaterthema, aber ich sehe nicht eine Parallelläufigkeit unserer Aufgaben. (...)»

SRF: Und darin hatten Sie eine Differenz mit Stephanie Gräve?

Märki: «Wenn man zu so einer harten Entscheidung kommt, gehen dem immer viele einzelne Dinge voran, die in der Summe dann zu so einer Entscheidung führen. Diese möchte ich aber im Detail öffentlich nicht kommentieren.»

Weiterhin auf der Lohnliste

Schauspielleiterin Stephanie Gräve hatte in Bern einen Vierjahresvertrag unterschrieben, ab der laufenden Saison 2015/16. Ihren Lohn erhält sie somit auch nach der Freistellung weiterhin.

Zur Zeit sei Gräve auf der Suche nach einer neuen Stelle, sagt der Vize-Präsident von Konzert Theater Bern, Marcel Brülhart, auf Anfrage von Radio SRF. Derweil hat KTB-Intendant Stephan Märki die Aufgaben der Schauspielleitung übernommen. Dem Haus dürften keine Mehrkosten entstehen, das habe der Stiftungsrat festgelegt, sagt Brülhart.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)