Kampf für mehr Freiräume Besetzerkollektiv bringt Leben in die Länggasse

Das Kollektiv Fabrikool hat mit dem Kanton einen Vertrag für die Benutzung eines leerstehenden Hauses in Bern unterschrieben. Die Partystimmung stört die Anwohner nicht – im Gegenteil.

Video «Reaktionen aus dem Quartier (15.3.2017)» abspielen

Reaktionen aus dem Quartier (15.3.2017)

1:23 min, vom 17.3.2017

Eine Rauchfahne liegt über dem vonRoll-Areal am Rande des Länggassquartiers. Vor der alten Schreinerei haben junge Leute an diesem Morgen Tische aufgestellt und rüsten Gemüse. Sie wollen für sich und die Studierenden im Holzofen Pizza backen.

«  Auch am Abend ist es ruhig. »

Anwohner

Vor einem knappen Monat ist das Kollektiv in die alte Schreinerei auf dem Gelände der Universität Bern und der Pädagogischen Hochschule eingezogen. Mittlerweile haben sie mit dem Kanton Bern, dem das alte Backsteingebäude gehört, einen Vertrag unterzeichnet. Voraussichtlich bis Ende Juli dürfen sie dort bleiben.

Keine Probleme mit den Nachbarn

Anwohner Patrick Ravi-Pinto sieht von seinem Balkon aus direkt auf die alte Schreinerei. «Die Leute sind sehr ruhig», sagt er. «Auch am Abend gibt es keine Probleme», pflichtet ihm sein Nachbar bei. «Am Anfang wussten wir einfach nicht, was nun genau passiert.» Sie fürchteten sich vor Ausschreitungen, wie es sie bei der Hausräumung an der Effingerstrasse gab. «Zum Glück hat der Kanton mit dem Kollektiv einen Vertrag unterschrieben.» Sie freuen sich, ist etwas los im Quartier.

Auch die Studentinnen und Studenten finden Gefallen am neuen Leben auf dem Platz vor der Hochschule. «Toll, hat jemand die Initiative ergriffen und dem alten Haus Leben eingehaucht», meint ein Student, der mit seinen Kollegen an einem Tisch des Kollektivs Tischtennis spielt.

«  Für uns ist wichtig, dass der Hochschulbetrieb nicht gestört wird. »

Michael Gerber
Sprecher PH Bern

Auch die Pädagogische Hochschule hat nichts gegen das Treiben vor ihrer Haustüre. «Solange der Lehrbetrieb nicht gestört wird, ist alles in Ordnung», sagt PH-Sprecher Michael Gerber. Bis jetzt seien keine Reklamationen eingegangen.