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Bio-Gärtner aus Hünibach «Bio gehört die Zukunft – auch im Gartenbau»

Wer Bio-Gärtner werden will, geht nach Hünibach am Thunersee. Die Gartenbauschule dort ist die einzige in der Schweiz, die ganz auf Bio setzt. Nun will der Kanton der Schule die Subventionen streichen. Hünibach wehrt sich.

Legende: Audio Bio-Gartenbauschule Hünibach - wie lange noch? (7.9.2017) abspielen. Laufzeit 04:31 Minuten.
04:31 min, aus Regi BE FR VS vom 07.09.2017.

«Wir bilden die Fachkräfte von morgen aus.» Das sagt Marianna Serena. Sie leitet die Gartenbauschule in Hünibach. 50 junge Frauen und Männer lassen sich dort zum Gärtner ausbilden – zum Bio-Gärtner um genau zu sein. Darauf hat sich die Schule spezialisiert seit ihrer Gründung vor über 80 Jahren.

Fabian Zurflüh ist einer der 50 Lehrlinge, die in Hünibach das Bio-Gärtnern lernen.

Fabian Zurflüh putzt die Pflanzen für den Verkauf heraus.
Legende: Fabian Zurflüh: «Ich wollte meine Gärtnerlehre unbedingt in Hünibach machen.» SRF/Brigitte Mader

Der nachhaltige Umgang mit der Natur, kein Chemie-Einsatz, um die Pflanzen gross zu ziehen, das gefalle ihm.

Enten watscheln zwischen den Gartenbeeten durch
Legende: Schädlingsbekämpfung nach Bio-Art: Enten auf dem Weg zum Schnecken fressen. SRF/Brigitte Mader

Auch das Giessen will gelernt sein als Bio-Gärtnerin. Denn bekommen die Pflanzen zu wenig oder zu viel Wasser, sind sie anfällig auf Schädlinge.

Junge Frau giesst die Pflanzen in einem Gartenbeet.
Legende: Nabila Stabile ist im ersten Lehrjahr. Giessen ist etwas vom ersten, was man lernt. SRF/Brigitte Mader

Rund 1000 verschiedene Pflanzenarten gibt es in Hünibach. Alle sind selber gezogen.

Pflanzenbeet mit verschiedenen Pflanzen.
Legende: Salbei, Fenchel, Physalis, Lampionblumen: Pflanzenteppich in Hünibach SRF/Brigitte Mader

So ein breites Spektrum könne ein Privatbetrieb nicht bieten. Dieses Fachwissen sei eine Stärke von Hünibach, sagt Schulleiterin Marianna Serena.

Die Nachfrage nach Bio steigt - auch bei Blumen und Kräutern.
Autor: Marianna SerenaGartenbauschule Hünibach

Nun steht die Gartenbauschule vor dem Aus. Denn: Der Kanton Bern will seinen Beitrag an die Schule nicht mehr leisten. Zwei Millionen Franken sind das – die Hälfte des Budgets. Den Rest erwirtschaftet die Schule mit dem Verkauf ihrer Produkte. Und die seien gefragt, sagt die Schulleiterin. Immer mehr Leute würden auch bei Blumen, Kräutern und Stauden auf Bio setzen. Und dafür brauche es Fachleute, die wissen, wie man Pflanzen biologisch produziert.

Marianna Serena vor dem Eingang zur Gartenbauschule Hünibach.
Legende: Schulleiterin Marianna Serena: «Ohne Kantonsbeitrag droht der Bio-Gartenbauschule das Aus.» SRF/Brigitte Mader

Allerdings: Für das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Gärtner muss man nicht wissen, wie man biologisch arbeitet. Für den Kanton Bern ist es deshalb nicht ersichtlich, weshalb man ein solches Angebot staatlich unterstützen soll.

Bio ist freiwillig in der Gärtnerlehre
Autor: Theo NinckBerufsbildungsamt Kanton Bern

Das sei aber kein Misstrauensvotum gegenüber Lehrwerkstätten. Diese hätten durchaus ihre Berechtigung. Aber nur dort, wo es zu wenig Lehrstellen gebe, sagt Theo Ninck. Er ist beim Kanton Bern für die Berufsbildung zuständig. Bei der Informatik sei das der Fall, beim Gartenbau nicht.

Berufsbildungschef Theo Ninck in einem Garten.
Legende: Theo Ninck: «Der Kanton stellt die Qualität der Bio-Gartenbauschule nicht in Frage. Aber Bern muss sparen.» SRF/Brigitte Mader

Im November entscheidet das Kantonsparlament über die Streichung des Kantonsbeitrags. Die Schule sucht Solidarität und sammelt Unterschriften. Einen Plan B hat die Schulleiterin nicht. Sie ist aber überzeugt: «Bio das ist die Zukunft, auch im Gartenbau.»

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Grunder (Zimmermeister)
    Pfui Bern ! Es wird immer bei denen gespart, die keine Lobby im Parlament haben, wie im nahe gelegenen Bundeshaus auch.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Könnte es sein, dass die Chemielobby im Parlament die Streichung für den Bio Forschungsbetrieb angezettelt hat? Dabei ist es sehr wichtig, dass die bauern und Gärtner mehr Wissen bekommen, wie wir Menschen ohne Gifte Nahrungsmittel anpflanzen können. Hoffentlich wird dieser unseelige Endscheid rückgängig gemacht.
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  • Kommentar von Guido Besmer (opabesmer)
    Guten Tag, unverständlicher Entscheid. Da werden Beitragszahlungen ausgeschüttet, damit vielleicht in der konventionellen Landwirtschaft ein Öko-Streifen stehen bleibt, aber bei der Ausbildung von Bio-Gärtnern wird gespart. Noch unverständlicher wird die Sparmaßnahme, als dann kurz zuvor Frau Leuthard das große Artensterben in Schweiz festgestellte und Abhilfe angekündigt hat (natürlich mit Beiträgen). Link: http://www.srf.ch/news/schweiz/80-millionen-jaehrlich-fuer-die-erhaltung-der-vielfalt
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    1. Antwort von Henriette Rub (ehb)
      Da beisst sich wohl die Katzt mal wieder in den eigenen Schwanz. Es kann auch sein, dass es in Zukunft keine Grünfläche mehr geben wird. Ob der ungebremst zunehmenden Bevölkerung wird Alles in Wohnbauten umgewandelt.
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