Blaue Reflektoren sollen Rehe warnen

Duftzäune, akustische Signale: Viel wurde schon ausprobiert, um Zusammenstösse zwischen Wildtieren und Autos zu verhindern - mit mässigem Erfolg. Blaue Reflektoren an Strassenpfosten sollen nun Rehe davon abhalten, auf die Strasse zu rennen. Der Kanton Bern testet das auf 29 Strassenabschnitten.

Rund 1700 mal rennt pro Jahr ein Reh vor ein Auto im Kanton Bern. Das die Zahlen der offiziellen Statistik. Zuviel, finden die Jäger im Kanton Bern. Sie setzen nun auf ein neues Wildwarn-System, ein System, das sich in Deutschland und Österreich bereits bewährt hat: Blaue Reflektoren an den Strassenpfosten. Entlang von 29 neuralgischen Strassenabschnitten im ganzen Kanton werden sie montiert.

Studien haben gezeigt, dass Schalenwildtiere wie das Reh oder der Hirsch auf die Farbe blau empfindlich reagieren. Sie ist für die Tiere eine Schreckfarbe und blendet sie. Nähert sich also ein Auto so einem Pfosten, wird die blaue Farbe reflektiert. «Das soll das Reh davon abhalten, auf die Strasse vors Auto zu rennen», sagt Dan Ammon vom bernischen Jagdverband.

«  Es geht den Jägern nicht darum, ein Reh mehr auf dem Teller zu haben. »

Dan Ammon
Bernischer Jagdverband

Der Verband gab den Anstoss für diesen Versuch mit den optischen Wildwarnern. Nicht weil man ein Reh mehr auf dem Teller haben möchte, sagt Dan Ammon. Die Jäger setzten sich auch für das Wild ein. Denn nicht immer sei ein Reh nach einem Unfallgerade tot, sondern leide Qualen.

Drei Jahre will der Kanton Bern das testen: Jäger, Wildhut, Tiefbauamt und die Mobiliar-Versicherung spannen dafür zusammen. Die Kosten von 18'000 Franken teilen sich der Jägerverband und die Versicherung. Sie verspricht sich davon auch weniger Schäden. Über 1 Million Franken Schaden registriert allein die Mobiliar pro Jahr durch Wildunfälle.

Allerdings: Mit der Montage der Reflektoren ist es nicht getan. Sie müssen regelmässig geputzt werden, sonst wirken die Reflektoren bald einmal nicht mehr. Und Dan Ammon wehrt sich gegen zu hohe Erwartungen. «Die Wildunfälle werden nicht auf null reduziert werden können.»

(Rendez-vous, 12.30 Uhr)