Chrüzwäg-Chäsi Oberlangenegg: Siegenthalers Idee funktioniert

Als Jakob Siegenthaler 1992 in der Chrüzwäg-Käserei Oberlangenegg begann, produzierte er pro Tag drei Emmentalerkäse und etwas Butter. Heute betreibt die Chrüzwäg-Chäsi 13 Käsereien und Dorfläden mit über 70 Angestellten. Das Geschäftsmodell eines regionalen Mikro-Marktes funktioniert.

Heute macht Käser Jakob Siegenthaler immer noch Emmentaler. Aber der traditionsreiche Grosslochkäse ist nur noch ein Teil in einer Auswahl an eigenen Milch- und Käseprodukten. Denn Jakob Siegenthaler und seine Frau Barbara merkten schon in den 1990er-Jahren, dass man sich etwas einfallen lassen musste. Die Emmentaler-Krise, der Umbruch in der Landwirtschaft, Konkurrenz und Preisdruck im Detailhandel zeichneten sich ab.

«Ende 1992 ging ich zum Kollegen Hans Leuenberger in der Unterlangenegg-Chäsi und schlug ihm vor, er soll doch für mich den Anken machen und ich ihm die Joghurts. Das war der Anfang», erinnert sich Jakob Siegenthaler. Seither haben Siegenthalers eigene Käsespezialitäten entwickelt, verarbeiten das Rohmaterial in drei Käsereien und produzieren pro Jahr eine Million Joghurt.

Eigene Läden schaffen einen Mikro-Markt

Diese Produktion verkaufen sie in inzwischen 13 Käsereien und Dorfläden, die Siegenthalers gemietet haben und sie zum Teil vor der Schliessung bewahrten. «Unsere Läden sind in erster Linie Verkaufsplattformen für unsere Produkte», bestätigt der Chrüzwäg-Käser.

Aber es bedeutet auch eine enge Zusammenarbeit mit Bäckern, mit anderen Käsereien, Eierfrauen und Güetzi-Bäckerinnen haben einen Absatzkanal. «Da haben wir ein sehr gutes Netzwerk, das geschätzt wird - auch von den Kunden», bilanziert Barbara Siegenthaler.

Da ist ein interessanter, sich selbst unterstützender Mikromarkt entstanden, ein Mikrokosmos, der offensichtlich funktioniert - mit etwa 60 Wiederverkäufern, die die Chrüzwäg-Artikel in ihr Sortiment aufnehmen.

Arbeitgeber und grosser Milcheinkäufer

Pro Jahr kauft die Chrüzwäg-Chäsi 5,5 Millionen Liter Bio- und konventionelle Milch aus der Region. Der Betrieb hat über 70 Mitarbeitende und drei Lernende. Siegenthalers Chrtzwäg-Chäsi ist zu einem bedeutenden regionalen Wirtschaftsfaktor geworden.

«Wir wollen den Bauern den bestmöglichen Milchpreis zahlen. So bleibt die Wertschöpfung in der Region», versichert Siegenthaler. Zurzeit liefern über 80 Bauern ihre Milch in die Betriebe der Chrüzwäg-Chäsi - die sich wiederum anstrengt, im Geschäft zu bleiben.

Auch Erfolgreiche müssen sich erklären

«Es ist nicht nur idyllisch. Wir müssen immer wieder Überzeugungsarbeit leisten, dass man über die Nase hinausdenkt und eine langfristige Rechnung anstellt. Aber ich will mit den Bauern und den Genossenschaftern im gleichen Boot bleiben, so haben wir alle eine Zukunft», sinniert Jakob Siegenthaler im Gespräch.

Und es wurmt ihn, dass er letztes Jahr zum ersten Mal überhaupt einen Teil der Milch in die Industrie abgegeben musste, zu einem deutlich tieferen Preis. Weil die Produktion von Emmentaler eingeschränkt wurde. «Das kann ich mit Racelettekäse oder anderen Produkten nicht auffangen.»

Bauer und Viehzüchter Andreas Wittwer, einer der über 80 Bauern, die ihre Milch an die Chrüzwäg-Chäsi verkaufen, ist mit der Siegenthaler'schen Geschäftsidee jedenfalls einverstanden. «So eine regionale Lösung ist doch optimal, nur wissen das vielleicht noch nicht alle», bekräftigt er in seinem grossen neuen Stall voll reinrassigem Simmentaler Vieh. «Köbu ist ein Unternehmer und manchmal weiss man erst, was man hat, wenn's einen Wechsel gibt.»

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)