Das Dilemma von Wengen

Ein paar Tage im Jahr herrscht im Berner Oberländer Ort halligalli. Daneben ist es ruhig. Für den Tourismus eine schwierige Ausgangslage.

Wer mit der Bahn aus dem engen Lauterbrunnental nach Wengen hinauffährt staunt: Der Ort thront über dem Tal, das Panorama ist fantastisch, das Dorf klein und reizvoll. Genau darin liegt das grosse Plus des Tourismusortes. Doch: «In Wengen gibt es viele kleine Hotels. Diese ziehen das Jahr hindurch nur wenig gutbetuchte Gäste an», stellt Therese Lehmann fest. «Es fehlt an Geld, um grosse Investitionen zu tätigen», sagt die Tourismusforscherin der Universität Bern. Investitionen seien aber nötig, um die Gäste bei der Stange zu halten.

Die Lauberhornrennen sind für Wengen enorm wichtig, der Werbeeffekt immens. Doch übers Jahr punktet Wengen weniger mit Party als mit Ruhe. Dieser Weg sei durchaus erfolgsversprechend, sagt Therese Lehmann. Aber Wengen dürfe sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen.

Investieren wäre angesagt

«Auch ruhesuchende Gäste wollen eine tolle Infrastruktur; beispielsweise schöne Hotelzimmer, ein bisschen Wellness, Kultur.» Als schlecht will Therese Lehmann den Zustand der Hotels und der touristischen Infrastruktur nicht bezeichnen. Doch Wengen stehe vor «Herausforderungen».

Judith Engi ist Präsidentin des Tourismusvereins Wengen und Besitzerin des Hotels Bellevue. Auch sie sieht Investitionsbedarf – sei es bei den Hotels oder generell bei der touristischen Infrastruktur im Dorf. «Wir haben verschiedene Projekte im Kopf», sagt sie. «Aber für Vieles fehlt uns das Geld.»

«Leute kommen wegen der Natur»

Jost Brunner, der frühere Kurdirektor von Wengen, möchte diesen Investitionsbedarf ein wenig relativieren. Habe man vor 30 Jahren den Berner Oberländern vorgeworfen, sie hätten Entwicklungen im Tourismus verschlafen, würden sie heute für ihren nachhaltigen Tourismus gelobt. Er sei überzeugt davon, dass die Leute auch heute vor allem wegen der schönen Natur nach Wengen kommen.