Das Thun-Panorama ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Das Panoramabild der Thuner Altstadt von Marquart Wocher von 1814 ist restauriert, der Rundbau im Schadaupark renoviert und ausgebaut. Ein besonderer Auftrag für Restauratoren und Architekten. Jetzt bekommt das älteste Monumental-Rundbild der Welt endlich die Wertschätzung, die es verdient.

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Wocher-Panorama:

4:24 min, aus Schweiz aktuell vom 4.9.2014

Von 1809 bis 1814 sass der Maler Marquart Wocher in einer Dachkammer hoch über der Thuner Altstadt und skizzierte detailgenau, was er rundum sah: Einen Augenblick aus dem Alltag der Stadt Thun, mit ihren Menschen, dem geschäftigen Treiben, der grandiosen Aussicht auf See und Berge und auf den Schlossberg.

Grosses Kino vor zweihundert Jahren - das Marquart Wocher dann in einem hölzernen Rundbau in Basel zu Papier brachte. 39 Meter lang und rund 7 Meter hoch wurde sein monumentales Rundgemälde - heute das älteste Panoramabild überhaupt auf der Welt, ein Kunstschatz von unschätzbarem Wert.

Jahrzehntelang war das Bild überall nur im Weg...

Nur - dieser Schatz fristete über Jahrzehnte ein tristes Dasein. Das Riesenbild landete 1899 als Geschenk beim Thuner Verschönerungsverein und verschwand dann bis 1920 unter dem Turnhallenboden des Aarefeldschulhauses. Erst 1956 beschloss der Thuner Stadtrat den Bau einer neuen Rotonde im Schadaupark. Das Bild wurde restauriert und 1960 von der Eidgenössischen Gottfried-Keller-Stiftung angekauft. 1961 war der Rundbau aus Backsteinen fertig.

...bis das Dornröschen wachgeküsst wurde.

2009, vier Jahre nach einem Hochwasser, das den Rundbau und das Bild beschädigte, ergriffen Privatleute und der Förderverein des Schlossmuseums die Initiative. Sie sammelten bei Spendern, bei Stiftungen und Mäzenen so viel Geld, dass auch der Stadtrat mit einem Kredit einstieg, um das inzwischen in Thun-Panorama umgetaufte Kulturgut zu erhalten und auszubauen. Selbst für routinierte Architekten und Restauratoren eine sehr spezielle und einmalige Aufgabe.

Dank Subventionen und Spenden musste die Stadt nur noch ungefähr die Hälfte der rund 3,3 Millionen Franken beisteuern, die die Neuinszenierung des Thun-Panoramas kostet. Inzwischen ist der Bau saniert, der filigrane Anbau mit Museumsshop, Bistrot und Ausstellungsraum fertiggestellt und das Rundbild restauriert. Es erstrahlt in intensiver Schönheit.

Am ersten Septemberwochenende 2014 bekommt die Bevölkerung ihr Thun-Panorama zurück, das nun die Wertschätzung und die Aufmerksamkeit erhält, auf die das Werk jahrzehntelang gewartet hat.

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