Der chinesische Hotel-Trick

Berner Hoteliers haben ein Problem: Die Schweiz stellt relativ einfach Schengen-Visa aus. Dies machen sich Chinesen zu Nutze. Sie buchen Hotelübernachtungen, erhalten das Visum, stornieren das gebuchte Bett und das Hotel steht leer da.

Robert Kneubühler auf der Terrasse des «Alpenblick»

Bildlegende: Robert Kneubühler auf der Terrasse des «Alpenblick». SRF

Das Hotel Alpenblick in Bern. Ein mittelgrosses Hotel mit 53 Zimmer, etwas ausserhalb des Stadtzentrums.

Gross war die Vorfreude, als vor kurzem eine Buchung einer chinesischen Reisegruppe eingegangen ist: Gleich 15 Personen wollten im Alpenblick übernachten - oder auch nicht: Denn kurz vor der Anreise wurde die Buchung storniert, wie viele andere aus China auch.

«Es ist vor allem ein ärgerlicher Mehraufwand», sagt Alpenblick-Geschäftsführer Robert Kneubühler im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Die Person am Empfang müsse jede einzelne Buchung ins System eintragen und auch wieder austragen. Ausserdem seien so unnötig Zimmer blockiert.

«Problem»: Speditive Behörden

Die Hoteliers sind «Opfer» der speditiven Schweizer Behörden. Diese stellen Schengen-Visa schneller aus als Behörden anderer Schengen-Länder - vorausgesetzt, der Antragsteller kann eine Buchung in einem Schweizer Hotel vorweisen.

Deshalb buchen Chinesen ein Schweizer Hotel, erhalten ihr Visum und stornieren die Buchung dann wieder.

EDA: Die Vorteile überwiegen

«Dass die Schweizer Behörden speditiv arbeiten, ist ja zu begrüssen, sonst wären spontane Ferien in der Schweiz unmöglich», sagt Thomas Kübli vom Hotel Ambassador. Er schätzt, dass bei ihm diesen Sommer 500-1000 Buchungen aus China wieder storniert wurden. «Etwa drei Prozent aller Buchungen aus China sind solche Scheinbuchungen.»

Thomas Kübli vor seinem Hotel Ambassador.

Bildlegende: Thomas Kübli vor dem Hotel Ambassador. SRF

Das Aussendepartement EDA hat Kenntnis von diesen Scheinbuchungen in Schweizer Hotels, sieht aber keinen Handlungsbedarf.

Im Gegenteil: Die Vorteile für den Tourismus seien bei weitem grösser, wenn potentielle Gäste einfacher ein Visum erhielten, teilte das EDA auf Anfrage mit. So kämen nämlich auch viel mehr chinesische Gäste in die Schweiz.