Der Freiburger Pädagoge, der sogar Pestalozzi neidisch machte

Gregor Girard, geboren vor 250 Jahren, gilt als einer der Hauptgestalter der Volksschule in der Schweiz. Er setzte sich zeitlebens für eine moderne Schule ein, geriet aber nach seinem Tod rasch in Vergessenheit.

Gregor Girard auf einem Gemälde.

Bildlegende: Gregor Girard war seiner Zeit voraus. ZVG

«Dem Ancien Régime in Freiburg war Girard zu modern und deshalb verdächtig, und in der Deutschschweiz herrschte ein Pestalozzi-Kult», sagt Beat Bertschy auf die Frage, warum der Name Girard heute nur noch wenigen ein Begriff ist. Bertschy ist an der Universität Freiburg verantwortlich für die praktische Ausbildung der Lehrer auf Sekundarstufe 2 - und profunder Girard-Kenner.

«Das Faszinierende ist, dass die heutige Schule in weiten Teilen seiner damaligen Vision entspricht». Girard machte sich stark für eine Primarschule in jedem Dorf, auch für die arme Landbevölkerung. Weiter sollte es regionale Schulen geben - die heutigen Mittelschulen - sowie Universitäten.

«  Schweig! Ich sehe es. »

Pestalozzi zu Girard

Die Schule sollte praktisch, konkret und lebensnah sein, forderte Girard, «die Schüler sollten nicht möglichst viel wissen, sondern vor allem können», so Bertschy. Girards praktische Art imponierte sogar dem bekannten Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi, welcher zur gleichen Zeit wirkte.

Als Girard ihm zeigte, wie er seine Ideen in die Praxis umsetzte, soll Pestalozzi gesagt haben «Schweig! Ich sehe es, zeig mir noch mehr›». Die beiden Pädagogen kannten und schätzten sich und waren auch freundschaftlich verbunden.

«  Girard ist ein Geheimtipp unter den Klassikern. »

Beat Bertschy

Zum 250. Geburtstag Girards hat die Girard-Stiftung verschiedene Anlässe organisiert, um den verkannten Pädagogen einer breiteren Öffentlichkeit in Erinnerung zu rufen. Nebst einen Stadtrundgang und einen wissenschaftlichen Kolloqium ist nun auch ein Film erschienen.

«Je mehr man sich mit Girard befasst, desto mehr erkennt man, welch aussergewöhnlicher Pädagoge er war», sagt Girard-Kenner Beat Bertschy. «Er ist ein Geheimtipp unter den Klassikern».