Der «Heiler» von Bern spricht von einer Verschwörung

Der «Heiler» von Bern hat sich am Montag vor Gericht gegen sämtliche Vorwürfe gewehrt. Er sei nicht verantwortlich dafür, dass sich 16 Personen mit HI-Viren infiziert hätten, betonte der 54Jährige.

In der zweiten Prozess-Woche hat das Regionalgericht Bern am Montagmorgen den selbsternannten «Heiler» einvernommen. Dieser wehrte sich gegen die Vorwürfe. Dass ihn alle 16 Opfer der Tat bezichtigen, führt er auf eine Art Verschwörung zurück. «Diese Leute sind aktiv auf mich gehetzt worden» - von der Aids-Hilfe, vom Inselspital und vom Untersuchungsrichter.

In Tat und Wahrheit müssten sie sich gegenseitig angesteckt haben, mutmasste der 54Jährige bei der Einvernahme vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland. Denkbar sei auch, dass eine oder mehrere aussenstehende Personen «das alles verursacht haben». Er selber habe aber nichts damit zu tun.

Angeklagter will nur Getränke serviert haben

In erster Linie sei er Musiklehrer, das sei seine Berufung. Zugleich sei er eine «stark mythisch-esoterische Person»; seinen Schülern habe er hin und wieder ein stärkendes Getränk auf Basis von Echinaforce und ein wenig Alkohol gereicht. Doch niemals habe er eine Akupunktur-Behandlung durchgeführt, und nur ein einziges Mal habe er jemanden gestochen - «meine ehemalige Frau, sie hatte Rückenbeschwerden». Bei allen anderen Menschen habe er seine heilenden Kräfte höchstens durch Handauflegen zur Entfaltung gebracht.

«Angst vor Blut»

Der Angeklagte bestritt weiter, dass er sich Blut von einem schon früher HIV-infizierten Musikschüler oder von jemand anderem besorgt habe. Das sei gar nicht möglich, schliesslich habe er eine «Blutphobie».

Der «Heiler» befasste sich auch mit den Untersuchungen der HI-Viren. Ein Gutachten kommt zum Schluss, dass diese aus derselben Quelle kommen müssen. Er könne unmöglich die vom Experten genannte «Drittperson» sein, die für die Infizierungen verantwortlich sein dürfte. Die Ausführungen, die er zur Begründung machte, waren für Beobachter kaum nachvollziehbar.

Der Angeklagte antwortet unkonkret

Der Eingang zum Berner Amtshaus.

Bildlegende: Im «Heiler-Prozess» in Bern beginnt am Montag die zweite Verhandlungswoche. Keystone

Die Einvernahme des «Heilers» gestaltet sich bislang generell schwierig. Wiederholt gab er an, die Fragen des Richters nicht zu verstehen, oder er gab Antworten, die weit vom Thema abkamen. Das kann auch sprachliche Gründe haben; Deutsch ist nicht die Muttersprache des Angeklagten. Gerichtspräsident Urs Herren rief den «Heiler» wiederholt auf, seine Fragen konkret zu beantworten und nicht vom Thema abzukommen.

In psychiatrischer Behandlung

Zu seiner persönlichen Situation sagte der «Heiler», wegen seiner gegenwärtigen «Probleme» befinde er sich in psychiatrischer Behandlung. Das über ihn erstellte psychiatrische Gutachten einer anderen Expertin lehnte er vehement ab. Die Autorin sei befangen gewesen, betonte er. Sie habe sich auf die Angaben der Untersuchungsbehörden gestützt, er selber habe kaum Auskunft gegeben und die Sitzung bei der Psychiaterin vorzeitig verlassen.

Schülerschwund nach schlechter Presse

Der Angeklagte führt eine Musikschule in Bern. Nach eigenen Angaben hat er aber zurzeit nur noch einen einzigen Schüler. Früher seien es rund 40 gewesen. Doch wegen den «negativen Publikationen in den Zeitungen» habe er fast alle Musikschüler verloren.