Der Kindergarten im Marzilibad

In der Stadt Bern hat am Montag das Schuljahr für viele Kindergartenkinder in einem Provisorium begonnen. Nachdem die Raumknappheit und die Suche nach geeigneten Räumen bei den Eltern für Unsicherheit und Unmut gesorgt haben, hat sich die Gemütslage etwas beruhigt.

Häuschen, eingezäumter Spielplatz, Holzpritsche des Freibades, Umziehkabinen.

Bildlegende: Kindergartenprovisorium mitten im Berner Freibad Marzili. SRF

Das augenfälligste Provisorium ist im Marzili. Dort haben die Behörden ein Häuschen auf dem Areal des Freibades zum Kindergarten umfunktioniert. Als Spielplatz dient ein Teil der Liegewiese, der mit einem Zaun umfriedet wurde.

Bruno Rufibach hat am Nachmittag seine Tochter hier zum ersten Mal in den Kindergarten gebracht. Er könne mit dem Provisorium leben, seine Tochter habe sogar Spass am Kindergarten im Freibad. Rufibach erwartet ein konfliktfreies Nebeneinander von Badegästen und Kindergartenkinder.

«Der Kindergarten ist ja sowieso vor allem am Morgen, wenn noch wenig Gäste im Bad sind», sagt Bruno Rufibach, der bald zum Präsidenten des Schulstandortes Marzili-Sulgenbach gewählt werden soll.

Noch im Frühling hat im Schulkreis Mattenhof-Weissenbühl grosser Notstand an Schulräumen geherrscht. Allein für fünf Kindergartenklassen mussten die Behörden Räume suchen. Die Lage war so unklar, dass die Schulkommission den Eltern einen Brief geschickt hat, sie sollten doch freie private Räume den Behörden melden.

Das Verhalten der Stadt sei unbefriedigend gewesen, sagt Stefan Schönenberger, der abtretende Präsident des Elternrates. «Die Stadt hat etwas geschlafen.» Schon ein Jahr zuvor habe man gewusst, dass die Schülerzahlen massiv ansteigen würden. Die Stadt müsse ihre Erhebungsmethoden ganz klar verfeinern.

«Die Stadt muss reagieren können»

Bei diesem Punkt hakt auch Claudia Luder von der Quartierorganisation Mattenhof-Weissenbühl ein. Die Stadt müsse ihre Prognose breiter abstützen, es gebe zum Beispiel genügend Immobilienfachleute, die Entwicklungen voraussähen. Zudem habe die Quartierorganisation die «ganz klare Forderung an den Gemeinderat, dass die Schulraumplanung strategischer wird».

Die Stadt müsse Schulraum und Landreserven bereit halten, um auf Enwicklungen reagieren zu können. Die Prognose von Schülerzahlen insbesondere der Kindergartenklassen sei enorm schwierig, sagt Irene Hänsenberger, die Leiterin des Städtischen Schulamtes. Man habe seit vier Jahren ein Instrument, um Schülerzahlen zu errechnen. Grundlage seien die Schülerprognosen, Geburtenzahlen und die Wohnbauentwicklung als Grundlage. Aber wer wann wo hinziehe, und in welchen Quartieren allenfalls grösse Generationenwechsel stattfänden, da fischten die Behörden immer in Dunkeln.

Modulbauten als Reserve

Das Schulamt will aber nun trotz der Schwierigkeiten die Kontakte zu den Schulen, zur stätischen Immobilienverwaltung, zu den Planern und Statistikern vertiefen, um nicht nächstes Jahr vor den gleichen Problemen zu stehen. Und bereits hat der Stadtrat Kredite für Modulbauten gesprochen, die auf nächstes Jahr aufgestellt werden können und die man für spätere Jahre als eiserne Raumreserve aktivieren kann.