«Der Lötschberger ist ein Erfolgsmodell»

Ende Jahr fahren die ersten Züge durch den Gotthardbasistunnel. Die SBB will die alte Bergstrecke weiter betreiben. Am Lötschberg stand man vor ein paar Jahren vor der selben Ausgangslage – und hat die Chance mit der historischen Strecke gepackt.

Ende Jahr fahren fahrplanmässig die ersten Züge durch den Gotthard-Basistunnel. Die SBB will die Bergstrecke zwar weiter betreiben – aber nur halbherzig, befürchten Bahnfans und manche Leute in der Region.

Ein neuer Tunnel, eine Bergstrecke auf dem Abstellgleis: Das kennt man auch im Berner Oberland, wo der Lötschberg-Basistunnel vor acht Jahren eröffnet wurde. Die Bergstrecke wird nach wie vor befahren, die Zahl der Fahrgäste steigt – zur Freude der Tourismusregion. «Wir sind sehr zufrieden, wie es läuft», sagt Doris Wandfluh von Kandersteg Tourismus.

Die Geschäftsführerin spricht im Zusammenhang mit dem Lötschberger von einem «Erfolgsmodell». Hotelbesitzerin Mädi Wyss pflichtet ihr bei und betont, wie wichtig die Züge für Kandersteg sind. «Die Bahn ist für uns das Tor zur Welt.»

«  Die Bergstrecke ist die Lebensader der Region. »

Mädi Wyss
Besitzerin Hotel Blüemlisalp

Die BLS schickt pro Stunde und Richtung je einen modernen Zug mit S-Bahn-Ambiente über die Strecke. Zudem wirbt die Bahn zusammen mit der Tourismusregion intensiv um Kunden aus dem Unterland. Davon können alle profitieren, meint Doris Wandfluh.

Damit regelmässig Züge über die Strecke fahren können, ist viel Aufwand nötig - die Sicherheit muss gewährleistet sein. Fünf bis zehn Millionen Franken investiert die Bahn jährlich in den Unterhalt, insbesondere muss die Strecke vor Steinschlag und Lawinen geschützt werden.

Die BLS besitzt Schutzwald in der Grösse von 800 Fussballfeldern und beschäftigt zwölf Forstleute. 2018 muss zudem der Scheiteltunnel zwischen Kandersteg und Goppenstein für 70 Millionen Franken saniert werden.

Die Bahn betreibt die Bergstrecke aber nicht nur wegen der Tourismuszüge – sondern auch als Ausweichstrecke für den überlasteten Basistunnel und wegen des Autoverlads. In Stein gemeisselt ist die Zukunft der Bergstrecke nicht. Doch: «Die Bahn durchs Kandertal ist ein Bedürfnis», stellt Martin Gäggeler fest und verweist auf die vollen Züge – insbesondere am Wochenende. Gäggeler ist Leiter Freizeit und Tourismus bei der BLS.

«Bei der Lancierung des Lötschbergers haben wir nicht mit einem solchen Andrang gerechnet.» Mehr Züge und einen dichteren Fahrplan werde es aber demnächst nicht geben. Derzeit ist auch ein regelmässiger Halt des Intercitys in Frutigen für die BLS kein Thema.

(Rendez-vous; 17.2.2016, 12:30 Uhr)