Der Thunersee kann Hunderte Häuser heizen

Seen sind riesige Wärmespeicher. Im Sommer heizt sie die Sonne auf, im Winter geben sie die Wärme wieder ab. Erstaunlich deshalb, dass Seewärme nicht schon längst im grossen Stil zum Heizen genutzt wird. Doch nun sind in der Schweiz verschiedene Projekte am laufen, unter anderem in Spiez.

Matthias Kohler in der Spiezer Bucht

Bildlegende: Ingenieur Matthias Kohler ist Hauptinitiant des Seewärmeprojekts in der Spiezer Bucht. Andreas Lüthi / SRF

Eine Gruppe Personen um den Bauingenieur Matthias Kohler will in der Spiezer Bucht eine Wärmepumpe einrichten, mit der Häuser in der Gemeinde Spiez geheizt werden können. «Im Wasser des Thunersees sind viele Kilowatt, die ungenutzt verdampfen», sagt Kohler. Er und seine Mitstreiter wollen eine Genossenschaft gründen und eine Anlage bauen, die diese Energie nutzt.

Anfang Woche hat die Gruppe einen ersten Erfolg gefeiert. Im Gemeindeparlament hat sie eine Motion durchgebracht. Diese beauftragt den Gemeinderat, gemeinsam «mit den Initianten eine Konzession beim Kanton Bern für die Seethermienutzung zu erwirken». Nun machen sich Matthias Kohler und die anderen Initianten auf die Suche nach interessierten Liegenschaftsbesitzern.

Spiez ist nicht das einzige Projekt im Kanton Bern, das Seewärme zu Heizzwecken nutzen will. In Oberried am Brienzersee soll ein Ferienressort mit Seewärme geheizt werden, in Hinterkappelen bei Bern soll eine Wohnsiedlung die Wärme des Wohlensees nutzen. Bereits realisiert sind im Kanton Bern kleinere Projekte, wo einzelne Häuser geheizt werden.

«Wir stellen ein gesteigertes Interesse an Seewärme in der ganzen Schweiz fest», sagt Martin Schmid, vom Eidgenössischen Wasserforschungsinstitut Eawag. In einer Studie hat das Institut das Potential der Seewärme für den Bodensee untersucht. Allein aus dem Bodensee könnte man demnach eine Energiemenge vergleichbar mit der Produktion eines Kernkraftwerkes gewinnen.