Deutschfreiburger erhalten eigenes Psychiatriezentrum

Deutschsprachige Patienten sollen sich in Zukunft in ihrer Muttersprache ausdrücken können. Das Freiburger Psychiatrienetz mietet Räumlichkeiten neben dem Kantonsspital Freiburg und baut diese für 10 Millionen Franken um.

Zwei Gebäude des Diözesanseminars und das Kantonsspital Freiburg.

Bildlegende: Das Psychiatriezentrum entsteht in den Gebäuden des Diözesanseminars. Rechts im Hintergrund das Kantonsspital Freiburg. SRF

Die einzige psychiatrische Klinik im Kanton Freiburg steht in Marsens in der Nähe von Bulle. Das Problem: Vom Personal spricht kaum jemand Deutsch. Der Erfolg einer Behandlung hänge aber stark davon ab, ob die Patienten in ihrer Muttersprache sprechen können, erklärt der Direktor des Psychiatrienetzes Freiburg, Serge Renevey: «In Marsens können wir zu wenig deutschsprachiges Personal anstellen».

Entsprechend klein ist die Anzahl deutschsprachiger Patienten: 250 pro Jahr. Weitere 150 Deutschfreiburger lassen sich jährlich in Bern behandeln.

Gesetz anwenden

Das Freiburger Gesetz über psychische Gesundheit verlangt, dass Patienten während der Behandlung in ihrer Sprache betreut werden. Das neue Psychiatriezentrum soll diesem Anspruch gerecht werden. Es liegt für Deutschfreiburger zudem 30 Kilometer näher als Marsens. «Die Stadt Freiburg ist gut erreichbar mit öffenlichen Verkehrsmitteln», betont Serge Renevey. Man miete vom Diözesanseminar 4000 Quadratmeter Räumlichkeiten für 30 Jahre. Ab Ende 2016 stehen neben dem Kantonsspital eine stationäre und eine ambulante Abteilung zur Verfügung, sowie eine Tagesklinik.

Aufatmen bei Betroffenen

In der Sensler Stiftung für Menschen mit einer geistigen Behinderung SSB in Tafers müssen immer wieder Leute nach Marsens in die psychiatrische Klinik eingeliefert werden.

«Wir betreuen viele psychisch labile Menschen», sagt Markus Stöckli, Direktor der SSB.Gerade Menschen mit einer Behinderung sollen sich in Krisensituationen in ihrer Muttersprache ausdrücken können, findet er. «Sie sollen ihren Gefühlen, Ängsten und ihrer Wut eine Sprache geben können».

Markus Stöckli begrüsst das geplante deutschsprachige Psychiatriezentrum. Er hätte es allerdings bevorzugt, wenn es im Sensebezirk realisiert worden wäre.