Deutschland lockt Freiburger Firmen an

Mit tiefen Landpreisen und Investitionshilfe werden Freiburger Firmen ins nahe Ausland gelockt. Die Freiburger Handelskammer schlägt nun Alarm. Sie fürchtet, dass die einheimische Industrie langsam ausblutet.

Steve Hoffer, Verkaufsleiter bei der Element AG in Tafers erhielt Post von der Wirtschaftsförderung des deutschen Bundeslandes Thüringen. Er staunte nicht schlecht über das Angebot: «10 Euro für den Quadratmeter - und Thüringen übernimmt 35 Prozent der Investitionskosten.»

Die Element AG hat Mühe, mit der ausländischen Konkurrenz mitzuhalten - der starke Franken macht dem Unternehmen zu schaffen. Trotzdem komme ein Umzug nach Deutschland nicht in Frage, sagt Steve Hoffer. «Dort wären wir nur einer von vielen in diesem Bereich.» Die Element AG in Tafers stellt Betonelemente her, zum Beispiel für Industriehallen.

Angst vor Kettenreaktion

Obwohl die Element AG in Freiburg bleiben will: Bei der Freiburger Handelskammer habe man Anzeichen für eine langsame «Desindustrialisierung», sagt Präsident René Jenny. Eine Umfrage bei nahezu 50 Freiburger Unternehmen habe dies gezeigt. «Das hat immer mehr Auslagerungen ins Ausland zur Folge.»

René Jenny wünscht sich bessere Rahmenbedingungen. Zum Beispiel sollten Forschungsgelder für Innovationen an Unternehmen gehen statt an die Hochschulen.

Zulieferer unter Druck

René Jenny befürchtet auch eine Kettenreaktion. «Zulieferer von Exportfirmen kommen ebenfalls unter Druck.» Ein Zulieferer ist zum Beispiel die Debrunner Acifier in Givisez. Sie liefert Beton, Stahl oder Werkstatteinrichtungen an Exportfirmen. Die Bestellungen nehmen ab, sagt Direktor Pierre Siffert. «Die Kunden stellen Investitionen zurück.»

Auch die Riedo Clima AG in Düdingen bekommt den starken Franken zu spüren. Noch seien die Auftragsbücher voll, sagt Firmenbesitzer Urban Riedo. Ein Drittel der 300 Mitarbeiter kämen jedoch bei grossen Industriebauten zum Einsatz. «Neue Projekte wurden bereits gestoppt.» Das bereite ihm Sorge für die kommenden Monate.

Freiburger Regierung gewarnt

Beat Vonlanthen, Freiburger Volkswirtschaftsdirektor, ist sich der Lage bewusst. «Es gibt Firmen, die mir sagen, dass sie bald Arbeitskräfte in ihre Produktionsorte im Ausland verlagern müssen.» Nun will der Staatsrat konkrete Massnahmen präsentieren, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. «Ich bespreche die Massnahmen nächste Woche mit dem Gesamtstaatsrat», sagt Beat Vonlanthen. Wunder indes darf die Freiburger Wirtschaft vom Staat kaum erwarten.