Die Bayard-Gruppe und ihr diskreter Aufstieg zum Mode-Imperium

Jetzt steht an zwei Modehäusern in der Berner Marktgasse nicht mehr Wartmann, sondern Bayard. Dahinter steckt eine interessante Wirtschaftsgeschichte. Nämlich der Aufstieg eines Walliser Familienunternehmens in die Top Ten der Schweizer Modebranche.

Jetzt steht Bayard auch in Bern an der Fassade.

Bildlegende: Jetzt steht Bayard auch in Bern an der Fassade. Das Berner Mode-Imperium mit Walliser Wurzeln wird sichtbarer. Christian Strübin/SRF

Als Fredy und Silvia Bayard im Jahr 1995 die Firmenleitung des 1912 gegründeten Familienunternehmens übernahmen, stand im Oberwallis ein Warenhaus mit Kleiderladen. 20 Jahre später macht die Bayard-Gruppe 120 Millionen Umsatz im Jahr, beschäftigt rund 450 Mitarbeitende und unterhält ein Onlinehandel und ein Netz von 76 Filialen im Wallis, im Kanton Bern und in Zürich.

Zielstrebig haben Fredy und Silvia Bayard, die Chefs in 3. Generation, andere Familienunternehmen und lokale Geschäfte übernommen, zum Beispiel die Berner Wartmann-Kette oder Ehrbar und Krause.

Oft kommen sie zum Zug, wenn die Nachfolge zu regeln ist - oder wenn bisherige Eigentümer schon zufrieden sind, wenn sie Liegenschaft und Personal in sichere Hände weitergeben können. «Wir gehen nie aktiv auf jemanden zu. Alle unsere Übernahmen wurden uns angeboten», betont Fredy Bayard.

Seit der Übernahme von Wartmann ist der Firmensitz der Bayard-Gruppe denn auch in Bern.

«Wir sind ein Familienunternehmen mit sehr kurzen Entscheidungswegen und einer kleinen Zentrale. Und wir verkaufen nur und produzieren keine eigenen Kollektionen», begründet Fredy Bayard den Werdegang.

Sehr diskrete Patrons

Allerdings reden Fredy und Silvia Bayard über ihren Erfolg eigentlich nicht und scheuen die Publizität. Zahlen zum Unternehmen gibt's nicht. «Wir halten uns lieber unter dem Radar. So trifft man uns auch weniger», sagt Fredy Bayard bei der Eröffnung der beiden neuen Bayard-Filialen in der Berner Altstadt. Bei dieser Gelegenheit waren die Patrons entgegen ihren Gepflogenheite für ein Gespräch zu haben.

«Wir suchen den richtigen Mix mit den richtigen Marken am richtigen Platz und schaffen so eine erfolgreiche emotionale Welt. Und dazu haben wir gute Leute», umschreibt Silvia Bayard die Geschäftsidee. Sie ist zuständig für Filialen und Personal. Die Rechnung scheint gut aufzugehen in einer Branche, die mit Ertragsproblemen und Marktanteilen kämpft.

Im Online-Markt ist Bayard auch drin mit einer eigenen Plattform, allerdings etwas widerstrebend. «Wir machen mit, weil wir nichts verpassen wollen. Aber solche Plattformen sind kaum rentabel zu machen. Und der Kontakt zum Menschen kommt auch nicht zustande», urteilt Fredy Bayard.

«Wir funktionieren nach dem Prinzip der Trüffelschweine»

Wenn irgendwo ein Laden oder eine kleine Kette zu haben ist, die zum Bayard-Imperium passt, dann packen Bayards spontan zu. «Wir haben keine 5-Jahres-Pläne, sondern wir sind wie ein Trüffelschwein. Wenn etwas Gutes kommt, dann steigen wir ein», schmunzelt Fredy Bayard. Vor 20 Jahren hätte er sich auch nicht vorgestellt, mal 76 Filialen zu haben. Und was in 10 Jahren sei - keine Ahnung.