Die Bernburger feiern sich auf dem Bundesplatz

Bis tief in die Nacht auf Samstag servieren die Bernburger auf dem Bundesplatz einen kulturellen Höhepunkt nach dem andern. Mit dem Fest stellen sich die Burgergemeinde und ihre Institutionen vor. Die eigene Geschichte ist dabei auch ein ernsthaftes Thema.

Die Burgergemeinde Bern hat auf dem Bundesplatz mit der grossen Kelle angerichtet: Auf der Bühne gibt es kulturelle und musikalische Darbietungen bis tief in die Nacht. Im grossen Würfel daneben stellen sich die Bernburger und ihre Institutionen mit einer hochprofessionellen Show vor und auf dem Platz haben die Zünfte und Gesellschaften, die Burgerbibliothek und das naturhistorische Museum ihre Stände eingerichtet. Ein doch erstaunlicher Auftritt der normalerweise zurückhaltenden Bernburger.

Dass sie einflussreich, kulturell grosszügig, sozial aktiv und als Grossgrundbesitzer wichtig für die Stadt Bern sind, stimmt schon. Aber es ist nur ein Teil der Wahrheit. Die Burgergemeinde ist auch eine Gemeinschaft von rund 18'000 Mitgliedern und ein Unternehmen mit rund 500 Stellen und einem Eigenkapital von rund einer Milliarde Franken.

Christoph von Werdt, Mitglied des «Kleinen Burgerrates», der Exekutive der Burgergemeinde Bern und Projektleiter des grossen Anlasses, hat deshalb gute Gründe für den grossen Auftritt. «Auch die Burgergemeinde mit ihren Institutionen soll sich zuweilen erklären und belegen, dass sie voller Leben steckt. Und dafür müssen wir auf die Leute zugehen.» So erachtet die Burgergmeinde das Fest auf dem Bundesplatz vorab als Geschenk an die Stadt Bern. In den nächsten Tagen gibt es noch Tage der offenen Türe und die traditionelle Kulturpreisverleihung.

Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte

Anfang Dezember gibt die Burgergemeinde Bern zudem ein neues Buch über ihre Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert heraus. Verfasst hat das Buch eine neutrale Historiker-Gruppe. Eine Reaktion auf die Kontroverse von 2009, als die Historikerin Kathrin Rieder Mitgliedern der Burgergemeinde Bern heikle Nähe zu den Nationalsozialisten nachwies. «Wir haben danach beschlossen, die Geschichte wissenschaftlich korrekt und unbeeinflusst von uns aufarbeiten zu lassen», sagt Christoph von Werdt, selbst Historiker.

Mit einer Serie von öffentlichen Podiumsveranstaltungen im Käfigturm will sich die Burgergemeinde Bern mit der eigenen Herkunft und der eigenen Geschichte auseinandersetzen.