Die bernischen Gemeinden sind finanziell – noch – gesund

352 bernische Gemeinden haben, bis auf eine einzige Ausnahme, noch Eigenkapital und können defizitäre Jahresrechnungen ausgleichen. Das zeigt die Statistik 2014 des Kantons Bern. Aber diese Reserve schwindet, denn die Mehrzahl der Gemeinden hat 2014 mit roten Zahlen abgeschlossen.

Tafel in einem Gemeindehaus

Bildlegende: Gemeindefinanzen im Fokus - eine Anschrift in einem Gemeindehaus. Keystone

Die bernischen Gemeinden haben weiterhin eine gute und solide Finanzlage. Das ist der generelle Befund des Amtes für Gemeinden und Raumordnung (AGR) für das Jahr 2014. Von den Gemeinden her tönt es übers Jahr allerdings anders. Sie hätten immer mehr Mühe, steigende Kosten wegzusparen.

Das Eigenkapitalpolster schwindet Jahr für Jahr

Tatsächlich haben nur 147 von 352 Gemeinden einen positiven Rechnungsabschluss geschafft, gesteht das AGR in seinem Finanz-Rating 2014 ein. Sie müssen also, zum dritten Mal in Folge, auf ihr Eigenkapital zurückgreifen, um das Defizit auszugleichen. Noch ist das möglich, weil die Gemeinden, von einer einzigen Ausnahme abgesehen, noch Reserven haben. Aber dieses Polster wird immer dünner - 2014 um rund 55 Millionen Franken oder 55 Franken pro Einwohner.

Ein Grund für die negativen Abschlüsse ist allerdings hausgemacht. Die Gemeinden haben hohe zusätzliche Abschreibungen gemacht, bevor die neue «Gemeindebuchhaltung» HRM2 gilt. Dieses neue Rechnungslegungsmodell schränkt die Gemeinden bei den Abschreibungen künftig ein.

Höhere Kosten, höhere Steuern

Der Bereich Soziales ist der grösste, stetig steigende Kosten-Posten in der Gemeindebuchhaltung. Dem stehen leicht höhere Steuererträge gegenüber. Allerdings seien die Steuerfüsse tendenziell steigend, konstatiert der Kanton Bern. Der Durchschnitt lag im Jahr 2014 bei einem Satz von 1,7.

Beim Finanzausgleich zeigt sich, dass 44 Gemeinden (-2) einzahlen und 253 Gemeinden Geld empfangen. Dieses Ausgleichsbecken hat inzwischen einen Umfang von 268 Millionen Franken pro Jahr, zwei Drittel davon kommen vom Kanton.

Bei den Investitionen sind bernische Gemeinden mehrheitlich zurückhaltend. Der Selbstfinanzierungsanteil ist zwar etwas gestiegen, ist mit durchschnittlich 9,4 Prozent nach wie vor ungenügend.

Regionale Unterschiede

  • Im Oberaargau haben überdurchschnittlich viele Gemeinden ein beträchtliches Vermögen und einen Steuersatz von 1,6 oder tiefer. Allerdings ist die Investitionsfähigkeit dieser Gemeinden ungenügend.
  • Im Emmental und im Berner Jura kosten Wasser, Abwasser und Kehricht am meisten im Verhältnis zur Anzahl der Gemeinden.
  • Die einzige bernische Gemeinde, die ein Bilanzdefizit von etwa 100'000 Franken abarbeiten muss, befindet sich in der Region Bern-Mittelland. (Kein Eigenkapital, deshalb muss das Defizit in den kommenden Jahren aus der laufenden Rechnung getilgt werden.)
  • Im Berner Jura schliessen zwei Drittel aller Gemeinden ihre Jahresrechnung positiv ab und sie haben überdurchschnittlichen Spielraum für Schuldenabbau und Investitionen. Allerdings hat jede vierte bernjurassische Gemeinde einen Steuerfuss von 2,0 oder mehr.
  • Relativ viele «rentable» Gemeinderechnungen gibt's auch im östlichen Berner Oberland. Dort wird auch überdurchschnittlich investiert.
  • Hohe bis sehr hohe Investitionstätigkeit stellt der Kanton im ganzen Berner Oberland fest.