Die «Sonderklasse» von Paul Klee: eine Autobiografie in Bildern

Einen kleinen Teil seines Schaffens klassifizierte der Künstler mit den Buchstaben «SKL». Für Paul Klee hatten diese eine besondere Bedeutung oder waren für ihn besonders wertvoll. Das Zentrum Paul Klee in Bern zeigt nun einen Teil dieser «Sonderklasse».

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Paul Klee und seine «Sonderklasse – unverkäuflich»

2:27 min, aus Tagesschau vom 21.10.2014

Unter dem Titel «Sonderklasse - unverkäuflich» zeigt das Zentrum Paul Klee (ZPK) in Bern lauter Werke, die der Künstler für sich zurückbehalten wollte. Er versah vor allem zwischen 1928 und 1933 zahlreiche farbige Arbeiten auf Papier mit diskret angebrachten Kürzeln wie «SKL», «S. Cl» oder «S cl». Sie stehen für den Begriff «Sonderklasse» und galten gleichsam für seine Lieblingsbilder. Auch «unverkäuflich» oder «gehört mir» war auf einzelnen Bilder zu lesen.

Paul Klee habe eine sehr innige Beziehung zu seinen Bildern gehabt, sagt Wolfgang Kersten, Kleeforscher an der Universität Zürich. Er habe deshalb dafür gesorgt, dass aus jeder Phase seines Schaffens Bilder in seinem Besitz blieben. Auch technisch aufwändige Bilder fanden den Weg in die «Sonderklasse». Von ihrer hohen Qualität und der bedeutsamen Stellung innerhalb seines Gesamtschaffens überzeugt, schuf Klee damit gewissermassen eine Autobiografie aus Bildern.

Strukturiertes Preissystem

Klee führte über seine Verkäufe akribisch Buch. «In dieser Beziehung war Paul Klee sehr modern», sagt Wolfgang Kersten. In der damaligen Zeit war dies einzigartig. In der Regel seien erst nach dem Tod eines Künstlers Retrospektiven entstanden.

Paul Klee betrieb auch eine fein abgestufte Preispolitik. Für die tiefste Preisklasse setzte er den Betrag von 450 Reichsmark fest, für die höchste sogar 1500 Reichsmark. In der Weimarer Republik belief sich 1925 der Monatslohn eines Arbeiters im Durchschnitt auf rund 140 Reichsmark. Die Bauhausmeister Klee und Kandinsky konnten hingegen mit einem Monatsgehalt von etwas mehr als 700 Reichsmark rechnen.

Nach seiner Entlassung am Bauhaus in Dessau emigrierte Klee mit seiner Frau Lily im Dezember 1933 nach Bern. In Folge des zusammengebrochenen Kunstmarktes in Deutschland gab er seine «Sonderklasse»-Einteilung auf. Da er auf den Verkauf angewiesen war, setzte der Künstler für etliche Arbeiten, die er ursprünglich mit «SKL» gekennzeichnet hatte, neuere und zugleich höhere Preisklassen fest.

Der Ausstellung liegt ein mehrjähriges Forschungsprojekt des Museums der bildenden Künste (Leipzig), des ZPK und der Universität Zürich zu Grunde.

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