Die Sozialfirma in Biel läuft auf Hochtouren

Der Kanton zahlt die Löhne, die Betriebskosten müssen erwirtschaftet werden: Das Konzept einer Sozialfirma funktioniert in einigen Kantonen seit Jahren, seit März 2013 nun auch in Biel.

José Stämpfli arbeitete bei der Bahn, dann in einem Lager, schliesslich in der Reinigung. Er verlor die Arbeit und fand keine neue: «Weil ich einen zu weit gefächerten Lebenslauf habe», vermutet er. Wie er arbeiten seit Frühling 2013 gut 100 Männer und Frauen in der Sozialfirma in Biel. Damit ist das Projekt ausgelastet und es gibt eine Warteliste von Menschen, die dort arbeiten möchten.

Gemeinsam ist ihnen, dass sie arbeiten wollen. Und dass sie selbstständig arbeiten können: Auf 100 Plätze in der Sozialfirma kommen pro Tag zwei Betreuer. Damit ist das Projekt viel günstiger als andere Beschäftigungsprojekte. Und die Sozialfirma muss auch kostengünstig funktionieren. Der Kanton und die Gemeinden zahlen zwar die Löhne (an Stelle von Sozialhilfe), doch die Betriebskosten müssen erwirtschaftet werden.

Die Idee ist, dass die Sozialfirma Arbeiten ausführt, für welche die Wirtschaft keine kostendeckenden Löhne mehr zahlen kann. Arbeiten also, die sonst ins Ausland verlagert würden. «Zurzeit reinigen wir Uhrengehäuse für eine Bieler Uhrenfirma», sagt Rolf Zumstein von der GAD-Stiftung, welche die Sozialfirma in Biel trägt. Ein anderer aktueller Auftrag: für ein Hilfswerk wurden tausende Briefe verpackt und versandt. In einem andern Raum stehen Kisten voll alter Computer und Fernseher bereit, diese werden von Hand auseinandergenommen fürs Recycling.

In der Sozialfirma erhalten die Angestellten unbefristete Arbeitsverträge. Doch das Ziel bleibt, dass sie wieder eine Stelle im freien Arbeitsmarkt finden. Das möchte auch José Stämpfli. Die Sozialfirma betrachtet er für sich als «Schritt, um weiter zu gehen.»

Die Idee der Sozialfirma kommt aus der Ostschweiz. 1997 wurde die Dock Gruppe AG gegründet, unterdessen sind solche Sozialfirmen bereits an 10 Standorten in der Schweiz erfolgreich tätig. Im Kanton Bern läuft das Pilotprojekt seit Frühling 2013 und bis Ende 2015.

Finanziell lohne sich das Projekt für den Kanton bestimmt, sagt Regula Unteregger, die Leiterin des kantonalen Sozialamts, gegenüber dem «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. «Weil die Menschen Arbeit haben, sind sie weniger krank und damit sind die Gesundheitskosten tiefer.» Zudem biete das Projekt einigen die Chance, wieder in den freien Arbeitsmarkt zurückzukehren.