«Die Spargeln wachsen nicht schneller, wenn man daran zieht»

Kaltes und trübes Frühlingswetter verzögerte dieses Jahr die Spargelernte im freiburgischen Seebezirk. Konsumenten, Produzenten und Wirte warten sehnsüchtig auf den begehrten Stengel aus einheimischem Anbau. In ein paar Tagen ist die Geduldsprobe vorbei.

«Sorry, Ihre Spargeln stecken noch in der Erde» warb der Schweizerische Gemüseverband in den letzten Tagen und bat damit das Publikum um Geduld, bis die einheimischen Spargeln bereit sind. Denn dieses Jahr sind sie etwas später dran als auch schon, bedingt durch das kalte und trübe Frühlingswetter.

Die Werbung reagiert darauf, dass sich in den Läden und Supermärkten seit Wochen Spargeln aus Peru und Chile stapeln, jetzt kommen die Spanier. Und die Wirte können gar nicht mehr anders, als Spargeln auf die Karte zu setzen.

In Kerzers allerdings lässt man sich davon nicht aus der Ruhe bringen. «Natürlich warten wir auf unsere Spargeln. Aber etwa in einer Woche sind wir soweit», verspricht Spargelbauer Jakob Schwab aus Kerzers.

Nach den ersten warmen Tagen werden auch hierzulande die langen Erdwälle unter den Plastikfolien langsam wärmer.

Für Spargelanbau gibt es Innovationspreis

Jakob Schwab hat mit jüngeren Partnern einen Spargelanbau im grossen Stil lanciert - und damit vor einem Jahr den landwirtschaftlichen Innovationspreis des Kantons Freiburg gewonnen. Spargelkulturen sind eine Perspektive auch für junge Seeländer Produzenten geworden, die «Königin der Gemüse» ist sehr beliebt: «Die Kundschaft ist bereit, für hiesige Qualität auch einen angemessenen Preis zu bezahlen, der bei uns logischerweise höher ist als Importware», bilanziert Jakob Schwab. Die Menge sei heute kein Problem mehr. «Früher gab es schon auch Spargeln. Aber es war nie sicher, ob es am richtigen Tag für ein grosses Essen oder ein Fest reicht.»

Auch die Gastronomen warten

Dass die Gäste bei schönstem Aprilwetter unbändig Lust auf Spargeln haben, ist auch dem erfahrenen Wirtepaar Martin und Päuli Schwab vom Sternen Fräschels klar. Seit fast 40 Jahren gehören Spargeln bei ihnen zu den Frühjahresspezialitäten. Martin Schwab hat vor Jahrzehnten nahe seines Betriebs selbst mit dem Spargelanbau begonnen und damit dieser Tradition der Spargeln wieder auf die Sprünge geholfen.

«Eine lange Geschichte», sinniert der Patron. «Als wir 1977 hier angefangen haben, gab es kaum mehr Spargeln in genügender Menge. Und so habe ich mit meinem Schwager halt selbst angefangen mit dem Anbau.»

Der Spargel wächst nicht schneller, wenn man daran zieht...

Natürlich wartet auch er darauf, hiesige Spargeln zu servieren. Aber Martin Schwab sagt auch: «Es lohnt sich, auf unsere eigenen, stets frischen Spargeln zu warten». Nähe und Frische sei ein wichtiges Argument und letztlich ein Vorteil für die Region. «Auch wenn wir immer etwa mit den guten französischen Spargeln angefangen haben, wenn unsere eigenen noch nicht bereit waren».

Er bestätigt damit, dass ein afrikanisches Sprichwort auch für hiesige Spargeln gilt: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.