Drei geistig behinderte Menschen im Rampenlicht

Das Schweizer Fernsehen begleitet diese Woche drei geistig behinderte Personen aus dem Heim Bernaville in Schwarzenburg im Kanton Bern. Die Heimleitung hat keine Bedenken, Menschen mit einer geistigen Behinderung vor die Kamera zu stellen. Den Behinderten selber gefällt der Rummel.

Drei Porträts

Bildlegende: Markus Gimmel, Claude Mattenberger und Bettina Portmann (v.l.) gefällt es, im Rampenlicht zu stehen. SRF

Bettina Portmann steht gerne im Mittelpunkt: «Ich bin stolz, bei dieser Sendung mitmachen zu können», sagt die 33jährige und ergreift die Hand von Claude Mattenberger. Die beiden haben beide Trisomie 21, sind langjährige Bewohner des Behindertenheims Bernaville und fast beinahe so lange schon ein Paar. Kennengelernt haben sie sich auf der Wohngruppe im Heim.

Sie beide stehen diese Woche im Mittelpunkt, zusammen mit Markus Gimmel. Auch er wohnt im Heim, bereits seit 35 Jahren. Schweiz aktuell zeigt Szenen aus dem Alltag der drei Menschen mit einer geistigen Behinderung und berichtet jeden Abend live aus dem Heim.

«Wir wollen niemanden ausstellen», sagt Vinzenz Miescher, Direktor der Stiftung Bernaville, im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Im Gegenteil: Vielmehr wolle man Leute von ausserhalb am Leben von geistig behinderten Menschen teilnehmen lassen. Dass es dabei auch heikle Punkte zu beachten gilt, ist für Vinzenz Miescher klar: «Menschen mit einer geistigen Behinderung haben oft eine tiefe Hemmschwelle.» Damit nicht Dinge gesagt oder gezeigt werden, die für Beteiligte nachteilig sind, ist immer jemand vom Betreuungsteam bei den Filmaufnahmen mit dabei. So könnte man im Notfall eingreifen.

Allerdings basiere alles auf einem Vertrauensverhältnis, betont Vinzenz Miescher. Man habe vorab intensive Gespräche mit den Protagonisten und dem Fernsehteam geführt. Alle waren sich einig: Man wolle nicht ein voyeuristisches Interesse der Zuschauer befriedigen, sondern auch einen Diskurs anregen, gerade bei heiklen Themen.