Eigentlich ist Plastik-Abfall zu schade für den Ghüdersack

Kehrichtverbrennungsanlagen vernichten tagtäglich Tonnen von Kunststoff. Dabei wären die Millionen Essig-, Waschpulver- und Kaffeerahmflaschen oder Verpackungsmaterialien ein wertvoller Rohstoff. Sammlung und Wiederverwertung kommen nun in Fahrt, regional und auf breiter Front.

Irgend einmal hatte Philipp Küffer genug davon, seinen Kunden auf dem Entsorgungshof in Tafers sagen zu müssen, er habe keine Lösung, um Haushaltkunststoff zu entsorgen - ausser der Verbrennung. Und so begann der Unternehmer zu tüfteln.

Die Lösung: Die Leute können für 2,20 Franken einen speziellen Sammelsack kaufen und ihn mit allem Haushaltplastik-Abfall füllen, der sonst den normalen, meistens auch gebührenpflichtigen Ghüdersack füllt.

«Es funktioniert hervorragend. Seit der Altjahreswoche 2014 habe ich bereits über 10'000 Säcke im Umlauf. Und noch keiner landete in der Verbrennung». Und wenn dann, zusammen mit anderem Kunststoff-Schrott, wieder ein Fuder beieinander ist für einen 40-Tonnen-Lastwagen, dann geht die Reise in die Ostschweiz und nach Vorarlberg zur Aufbereitung.

Leute, die den Sammelsack kaufen, sammeln sehr diszipliniert. Der Erlös aus dem Sackverkauf zahlt die Kosten. «Ich bin sehr zufrieden, es ist auch eine Herzensangelegenheit für einen gelernten Recyclisten», sagt Philipp Küffer. Er versucht nun, mit den Gemeinden im Freiburger Sensebezirk eine noch etwas breitere Basis für seine Plastik-Sammlung zu finden.

Die Grossen suchen noch das Ei des Columbus

Dass die Bevölkerung sehr wohl mitmacht, erkannte auch die AVAG während eines 15-monatigen Versuchs bis Ende 2014 in elf Gemeinden. Die Abfallverwertungs-AG mit Sitz in Thun entsorgt im ganzen Berner Oberland und im Emmental.

«Als die Migros ebenfalls mit der Sammlung begann, veränderte sich unser Sammelgut sofort. Viel mehr Getränkekartons, die sonst niemand sammelt, bei steigenden Mengen», bilanziert Werner Grossen, Marketingchef bei der AVAG. Nun sammelt AVAG nur noch die für die Wiederverwertung wertvollen Getränkekartons - allerdings machen da nicht alle Gemeinden mit.

Das bestätigt Fritz Baumann, Leiter Transportlogistik bei der Migros Aare. «Es hat mit dem Haushaltplastik ganz klein angefangen. Heute sind wir bereits bei rund 250 Tonnen pro Jahr.» Damit sind auch Gemeinden aus dem Schneider, die diese Sammlungen auf ihren Entsorgungshöfen ausprobiert und zum Teil eingeschränkt oder verworfen haben, wie Bern, Freiburg oder Murten.

Sammelkomfort ist entscheidend

Es zeigt sich aber, dass «Sammelkomfort» wichtig ist. «Möglichst alles am gleichen Ort wäre ideal. Wohl dort, wo man auch gerade wieder einkauft», so Werner Grossen. Aber so weit ist das System nicht.

Die Migros hat den Vorteil, dass sie Sammelstellen in den eigenen Filialen einrichten kann und dass ihre Lastwagen das Sammelgut mit den anderen Retouren mitnehmen. «Wir machen es der Umwelt zuliebe», sagt Fritz Baumann, «ökonomisch macht es nämlich noch keinen Sinn.» Werner Grossen von der AVAG hat da genaue Zahlen: «Wir haben pro Tonne 450 Franken draufgelegt.»

Eine vorgezogene Entsorgungsgebühr wie bei Glas oder Kühlschränken wird diskutiert, ist aber nicht unumstritten.

Bald ein Schweizer Sortierwerk

Die Schweiz, Weltmeister beim Sammeln von Glas, Batterien, Blech, PET-Flaschen, Papier und Karton, hinkt beim Kunststoff aus dem Haushalt hinterher. Im Mai wird nun in Frauenfeld ein hochmoderner Sortierbetrieb für sortenreine Kunststoffe eröffnet.