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Polizeiaktion in Bern Ein Haarschnitt für unter 20 Franken?

Legende: Video Hinweise auf prekäre Arbeitsverhältnisse im Beauty-Business abspielen. Laufzeit 4:18 Minuten.
Aus 10vor10 vom 14.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Berner Behörden haben erneut mehrere Coiffeur-Salons kontrolliert, in denen Haarschnitte zu ungewöhnlich tiefen Preisen angeboten werden.
  • Direkte Hinweise auf Ausbeutung fanden sich nicht, wohl aber Verdachtsmomente auf prekäre Arbeitsverhältnisse.
  • Die Rede ist von einem «Schleier der Intransparenz». Weitere Abklärungen laufen.

Das Polizeiinspektorat/Fremdenpolizei der Stadt Bern hat am 13. Juli 2017 in vier Coiffeursalons Kontrollen durchgeführt, dies in Zusammenarbeit mit der Orts- und Gewerbepolizei sowie der Arbeitsmarktkontrolle Bern.

Wie Alexander Ott, Leiter von Polizeiinspektorat/Fremdenpolizei, gegenüber «10vor10» sagt, fanden die Kontrollen wegen verschiedenen Verdachtsmomenten und Hinweisen in Bezug auf illegalen Aufenthalt, Arbeiten ohne Bewilligung, nicht entrichtete Sozialabgaben und Versicherungsbeiträge, prekäre Arbeitsbedingungen und ausbeuterische Löhne statt. Erst vor drei Monaten wurden vier andere Coiffeur-Salons in der Stadt kontrolliert.

Die Geschäfte sind den Behörden offenbar aufgefallen, weil sie Haarschnitte zu unüblich tiefen Preisen anbieten, oft unter 20 Franken, und dies an Standorten, wo die Monatsmiete mehrere Tausend Franken betragen kann. Der Verdacht: Solche Dumpingpreise sind nur möglich, wenn den Arbeitenden extrem tiefe Löhne bezahlt werden, sie also allenfalls ausgebeutet werden.

Bund will Ausbeutung und Menschenhandel stärker bekämpfen

Die Kontrollen des Polizeiinspektorats/Fremdenpolizei fanden auch im Kontext eines verstärkten Kampfes gegen Menschenhandel statt. Denn Menschenhandel und die Arbeitsausbeutung sind eng miteinander verflochten.

So ist die Arbeitsausbeutung auch ein Schwerpunkt im Nationalen Aktionsplan gegen Menschenhandel 2017 – 2020, den das Bundesamt für Polizei Fedpol vor kurzem veröffentlich hat. Darin heisst es, die Strafverfolgung habe sich in der Vergangenheit sehr auf Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung konzentriert. Jetzt will der Bund vermehrt Ausbeutung von Arbeitskraft bekämpfen und gezielt mögliche Opfer identifizieren.

Bei den Kontrollen in der Stadt Bern, die «10vor10» begleitete, ergaben sich keine direkten Hinweise auf Menschenhandel. Allerdings ergaben sich mehrere Verdachtsmomente auf möglicherweise prekäre Arbeitsbedingungen. Bei den angetroffenen Verhältnissen ist vieles unklar, nicht fassbar. Die Beamten orten einen «Schleier der Intransparenz». Nun laufen bei den Berner Behörden weitere Abklärungen. Ob es zu Anzeigen kommt, ist noch unklar. Die Geschäftsführer und möglichen Angestellten sind somit nicht Gegenstand von Strafverfahren.

Bevölkerung soll Verdacht melden

Wo prekäre Arbeitsverhältnisse herrschen, da ist der Weg zum Menschenhandel oft nicht weg, sind Experten überzeugt. Besonders Personen ohne Aufenthalts- oder Arbeitsbewilligung sind gefährdet, in eine Abhängigkeit zu geraten, wenn sie beispielsweise Schulden abbezahlen müssen. In der Schweiz bestehe die Gefahr für Ausbeutung und möglichen Menschenhandel auch etwa bei Hausangestellten, auf dem Bau, in der Gastronomie oder anderen Dienstleistungen.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Udo, Marc, Bruno, Markus.Welche Ignoranz. Heute sind doch Fr.20.- nichts mehr wert. Bedenken Sie mal was es zu 1 Haarschnitt braucht. Shampoo, Wasser, Strom, Ladenmiete und dann noch die Arbeit einer Angestellten. Ich gehe seit mehr als 20 J. ins gleiche Geschäft. Färben, waschen, Kopfmassage, brushing kostete 98,-. Heute kostet mich waschen, Kopfmassage, schneiden, frisieren inkl. sehr guten Kaffee, Orangensaft u. Mineral Fr. 54.- Und ich bin immer sehr zufrieden!
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  • Kommentar von Wilhelm Schaub (Ecro)
    Monatsmieten von mehreren Tausend Franken für meist einen einzelnen Raum, dürfte man eigentlich auch auf Wucher hinterfragen.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Mir ist nicht klar, was nun der Unterschied zwischen "Schwarzarbeit" und "prekäre Arbeitsverhältnisse" ist. Wahrscheinlich bedeuten die Begriffe gleich. Nur bei Schwarzarbeit wird der Schwarzarbeiter als Kriminelle hingestellt, bis bei "prekären Arbeitsverhältnissen" ist der das Opfer. AHV-Anmeldung und Quartalsüberweisung prüfen, dann weiss man, ob er schwarz arbeitet oder nicht. Nichts einfacher als das.
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