Einschneidende Sparmassnahmen für Berner Psychiatrien

Auf dem Weg in die Selbständigkeit müssen die drei kantonalen Psychiatriebetriebe ihre Budgets 2017 um insgesamt 34,5 Millionen Franken verbessern - 40 Prozent davon sind Sparmassnahmen, die vor allem das Personal treffen.

60 Prozent oder rund 20 Millionen Franken stammen von zusätzlichen Einnahmen, wie Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud vor den Medien sagte. Bei den Ertragssteigerungen handelt es sich um bereits verhandelte Tariferhöhungen sowie Mehreinnahmen durch eine Erhöhung der Bettenzahl und der Fälle.

Mehr Einnahmen und weniger Kosten braucht es, damit der Wechsel der drei grossen bernischen Psychiatriekliniken aus der Kantonsverwaltung hin zu eigenen Aktiengesellschaften gelingt. Diese AG's werden vom Kanton kein Geld mehr erhalten. Heute steckt er rund 255 Millionen in die psychiatrische Versorgung.

Für die beiden Betriebe im Berner Mittelland - die Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) und das Psychiatriezentrum Münsingen (PZM) - seien die Massnahmen, die zwölf Prozent des Aufwands ausmachen «einschneidend, aber verkraftbar», sagte Perrenoud.

«Wir werden es rechtzeitig stemmen, mit mehr Einnahmen, aber auch weniger Kosten», bestätigt der UPD-CEO Stefan Aebi. Bei den UPD Bern werden deshalb insgesamt 57 Stellen abgebaut, davon 18 Mitarbeitende vor allem im Gebäudeunterhalt entlassen.

Münsingen und Bern sind auf der Zielgeraden

Münsingen muss keine Stellen abbauen und ist eigentlich für die Zeit als wirtschaftlich tragfähige AG gerüstet. Der Grund dafür ist, dass das Psychiatriezentrum im Aaretal im Jahr 2014 bereits 30 Leute entlassen und zwei Abteilungen geschlossen hat, aufgrund des radikalen Sparbefehls des Grossen Rates im November 2013.

Inzwischen hat dieser Betrieb auch seine Strukturen angepasst. «Natürlich ist es gut, wenn man das Schlimmste hinter sich hat», räumt PZM-Direktor Rolf Ineichen ein, «aber ich wehre mich gegen die Meinung, bei uns sei die Arbeit schon gemacht. Das ist ein Prozess, der noch weitergeht.»

Sorgenkind Biel-Seeland - Berner Jura

Eine «Herkulesaufgabe» sei das Erreichen eines ausgeglichenen Budgets hingegen für die Psychiatrischen Dienste Biel-Seeland - Berner Jura (PDBBJ) im ehemaligen Kloster von Bellelay. Diese müssen ihr Ergebnis um 22 Prozent oder 9 Millionen verbessern, was den Abbau von 60 Stellen bedeutet. Damit würde jede fünfte Stelle gestrichen.

Weil eine solch «radikale Umsetzung» die regionale Versorgungssicherheit gefährden würde, räumt die Regierung dem PDBBJ deshalb eine sozialverträgliche Reduktion in Etappen ein - sofern das bernische Kantonsparlament mitspielt. Dadurch werden erst in den Jahren 2018/2019 ausgeglichene Rechnungen erreicht.

Allerdings ist klar, dass das alte Kloster im Berner Jura für einen Psychiatriebetrieb ungeeignet und viel zu teuer ist. Nun sucht die Regierung nochmals das Gespräch mit den bernjurassischen Behörden und Politikern, ob und wie eine zeitgemässere Lösung an den Spitälern möglich wäre.

Allerdings wird dies ohne den bisherigen Direktor geschehen. Laslo Pataki hat seinen Führungsjob auf Ende 2015 gekündigt.

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