Emmentaler Feuerwehren entführen den Statthalter in die Freiheit

Das war ein passender Abschied für den Langnauer Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher: Feuerwehren aus seinem Verwaltungskreis fuhren ihn mit einem historischen Fahrzeug in die Freiheit des kommenden Ruhestandes. Feuerwehren und Unwetter haben ihn jahrelang auf Trab gehalten.

Ende August geht Markus Grossenbacher in Pension und im Emmental geht eine Ära zu Ende. Grossenbacher war von 1997 bis 2009 Regierungsstatthalter im damaligen Amtsbezirk Trachselwald, ab 2010 Statthalter des neuen Verwaltungskreises Emmental. Sein Sitz: Das Amtshaus in Langnau.

«Im Rückblick haben sich diese Reformen zu grösseren Gebieten grundsätzlich bewährt - auch wenn ich bei der Grösse der Kreise immer noch Zweifel habe», bilanziert Markus Grossenbacher. Und er sagt auch: «Eine gewisse Nähe und Vertrautheit mit den Gegebenheiten ist schon wichtig. Da hat sehr viel geändert.»

«  Manchmal kam ich mir vor wie die Mayonnaise in einem Sandwich. Von beiden Seiten Druck. »

Markus Grossenbacher
Regierungsstatthalter Emmental bis August 2016

In nahezu 20 Jahren Statthalterdasein musste Grossenbacher oft entscheiden oder auch schlichten, wenn der Kanton mit den Gemeinden oder die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Gemeinderäten nicht einverstanden waren. Das tägliche Brot der Statthalter. Markus Grossenbacher hat es so gemacht, dass ihn die Bevölkerung und die Behörden seines Kreises respektieren. Auch wenn er unpopuläre Entscheide vertreten musste, zum Beispiel bei der Umnutzung des alten Schulhauses von Hasle in ein Asylzentrum oder bei Schulhausumbauten, die behindertengerecht sein müssen. Oder wenn er der Regierung klar zu machen versuchte, was sein Emmental braucht und er sich auf die Seite der Bevölkerung und der Gemeinden stellte.

Er kam tagelang nicht aus den Stiefeln

Prägend für Markus Grossenbacher waren aber auch die vielen Unwetter und Naturkatastrophen, die er in seinem Einzugsgebiet bewältigen musste, vom Orkan Lothar im Dezember 1999, den regelmässigen Hochwassern bis hin zum schweren Unwetter im Schangnau im Sommer 2015. Da war der Statthalter in seinem Element. Es gibt keinen Emmentaler Feuerwehrmann, der ihn nicht kennt und umgekehrt.

Wohl deshalb haben ihm die Wehrdienste am Freitagmorgen eine besondere Überraschung bereitet. Sie «entführten» den ahnungslosen Statthalter vor dem grossen Abschiedsfest mit einem historischen Huttwiler Feuerwehrauto aus dem Amtshaus und fuhren ihn unter Sirenengeheul ins Langnauer Zeughausareal.

Dort stand ein Spalier aus modernen Feuerwehrfahrzeugen bereit. «Markus, wir danken Dir», sagte Feuerwehrinspektor Martin Ryser seinem sichtlich bewegten Statthalter.