«Energiewende kommt trotzdem»

Strom und Energie für Heizungen und Warmwasser müssen bis 2050 nicht zwingend aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Das hat das Stimmvolk entschieden. Die Verlierer hoffen weiter.

Die Initiative der Grünen Partei wurde mit 65,3 Prozent deutlich abgelehnt. Knapp wurde es beim Gegenentwurf: 51,4 Prozent stimmten dagegen. Gut 8000 Stimmen gaben den Ausschlag.

Die SVP und Hauseigentümer lehnten Initiative und Gegenvorschlag ab. Peter Brand führte das Gegnerkomitee an. Der Präsident des bernischen Hauseigentümerverbandes zeigte sich kurz nach Bekanntgabe des Resultats erleichtert: «Das Volk will bei Energiefragen keinen Zwang.»

Im Vorfeld argumentierten die Gegner, dass die rasche Umstellung auf erneuerbare Energien grosse Kosten für Hauseigentümer und Mieter verursachen würde. Blaise Kropf, Präsident der Grünen Partei und Befürworter der Initiative, bezeichnet diese Argumente als «Angstpropaganda». Die habe offenbar gewirkt.

Der Verlierer versucht das Ergebnis positiv zu interpretieren. «Immerhin steht fast die Hälfte der Bevölkerung hinter einer Energiewende.» Blaise Kropf ist deshalb überzeugt, dass die Energiewende auch ohne Initiative stattfinden wird. «Bis 2050 wird die Energieversorgung im Kanton Bern gänzlich aus erneuerbaren Energien bestehen», so die Prognose von Blaise Kropf.

Verpasste Chance?

Regierungsrätin Barbara Egger ist enttäuscht. «Der Kanton Bern hat eine grosse Chance verpasst.» Unternehmen der Cleantech-Branche im Kanton Bern hätten davon profitieren können, wenn Bern als erster Kanton die Energiewende in der Verfassung festgeschrieben hätte.

Ob Initiative oder Gegenentwurf des Kantonsparlaments: Beide hatten das gleiche Ziel. Bis in gut 35 Jahren sollte Strom nur noch aus erneuerbarer Energie gewonnen werden. Für das Heizen und für Warmwasser sollte im Kanton Bern auf Gas und Öl verzichtet werden. Die Initiative setzte dafür zeitlich genaue Zwischenziele, der Gegenvorschlag war flexibler gefasst.