«Er sagte mir, er könne nicht spielen, wenn eine Frau dirigiert»

Isabelle Ruf ist eine der wenigen Dirigentinnen, die ein Spitzenorchester leiten: die «Landwehr», das offizielle Blasorchester der Stadt und des Kantons Freiburg. Für ihre Karriere musste sie jedoch lange kämpfen und Opfer bringen, sagt sie im Gespräch.

«Eine Frau an der Spitze der Landwehr war damals eine kleine Sensation», erinnert sich Isabelle Ruf an ihr Debut bei der Landwehr 2007. Die Landwehr war fast 200 Jahre eine reine Männerbastion, erst 1998 wurden auch Frauen in das Orchester aufgenommen. «Aber ich wusste, was ich wollte und bin meinen Weg gegangen, ohne nach links oder rechts zu schauen.»

«  Familie und Freunde bleiben auf der Strecke »

Isabelle Ruf

Isabelle Ruf ist nicht nur in der Landwehr eine Pionierin: Sie ist eine der wenigen Dirigentinnen eines Spitzen-Orchesters weltweit. Wie ungewöhnlich Frauen am Pult sind, musste sie erfahren, als sie 1988 die Leitung des Blasorchesters Neukirch übernahm. Gleich fünf Männer sind aus dem Orchester ausgetreten. «Einer kam zu mir und sagte mir: ‹Ich kann nicht spielen, wenn da vorne eine Frau dirigiert›», erinnert sich Isabelle Ruf.

«  Die ‹Scala Milano› bleibt ein Traum »

Isabelle Ruf

Sie liess sich jedoch nicht von ihrem Traum abbringen, eines Tages ein grosses Orchester leiten zu können. «An der Spitze ist die Luft dünn, da geht es darum, zu entscheiden: habe ich die Zeit für eine Karriere und habe ich das Rückgrat, welches es braucht». Sie musste auch deshalb Opfer bringen. Eine Familie war nie ein Thema, und auch Freundschaften seien zerbrochen. «Man hat zu wenig Zeit für alle Leute.»

Was die Zukunft für die 54-jährige Ruf bringt? «Das wissen nur die Götter», lacht sie. Einen Traum aber hat sie: «Mein grosser Traum war immer die Scala di Milano. Ein Traum, den ich mir vielleicht im nächsten Leben erfüllen kann.»