Er wühlt von Amtes wegen in fremden Angelegenheiten

Reto Binz ist einer der vier bernischen Sozialinspektoren, die 2015 70 Missbrauchsfälle aufgedeckt haben. In vielen Fällen ging es um Einkommen, das verschwiegen oder nicht vollständig deklariert wurde. Das Regionaljournal hat ihn getroffen.

Reto Binz macht Nachforschungen im Internet.

Bildlegende: Sozialinspektor Reto Binz macht Nachforschungen im Internet – er möchte nicht erkannt werden. Brigitte Mader/SRF

Reto Binz wühlt von Amtes wegen in fremden Angelegenheiten. Er ist einer der vier Sozialinspektoren im Kanton Bern. Dass er früher bei der Polizei tätig war, nützt ihm beim Ermitteln. Ist er ein Schnüffler? «Eine Gwundernase braucht es und auch ein gesundes Misstrauen», sagt der 40-Jährige.

Weniger als ein Prozent

670'000 Franken ist dank der Arbeit der Sozialinspektoren in die Berner Staatskasse geflossen. Gekostet haben sie den Kanton 690'000 Franken. Ein Null-Summen-Spiel. Diese Rechnung stimmt für Reto Binz so nicht. «Es ist richtig, dass man dort genau hin schaut, wo der Kanton Geld ausgibt.»

Insgesamt sei der Anteil des Sozialhilfemissbrauchs gering, schreibt die kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektion. In weniger als einem Prozent aller Sozialfälle hatten die Sozialdienste einen Verdacht, den sie von einem Inspektor abklären liessen. 115 Fälle wurden im vergangenen Jahr abgeschlossen. In sechs von zehn Fällen erhärtete sich der Verdacht.

Fasst bei jedem zweiten Fall wurde Einkommen verschwiegen oder nicht vollständig angegeben. Weitere Verdachtsmomente waren falsche Angaben über die Wohnsituation und ein nicht deklariertes Vermögen.

Bei erwiesenem Sozialhilfemissbrauch droht den Betroffenen eine Strafanzeige. In jedem dritten Fall griffen die Behörden zu dieser Massnahme.

Arbeitsweise der Inspektoren

Als Beweismittel für den Missbrauch dienten den Inspektoren zum Beispiel Kontoauszüge, Arbeitsverträge und Hausbesuche. Auch Internetrecherchen und verdeckte Ermittlungen kamen zum Zug.

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