Erste Vorlesungen am Freiburger Islam-Zentrum

Das umstrittene Zentrum für Islam und Gesellschaft an der Universität bietet erste Vorlesungen und Seminare an. Dies, obwohl noch eine SVP-Initiative hängig ist, die die Schliessung des Zentrums verlangt. Nach den Attentaten von Paris erhält die Diskussion um das Zentrum wieder neue Aktualität.

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Umstrittenes Zentrum

4:03 min, aus Schweiz aktuell vom 27.11.2015

In der Vorlesung von Serdar Kurnaz sitzen nur gerade sieben Studenten. Sie kommen aus den Religionswissenschaften und der Theologie. Kurnaz will sie in die islamischen Wissenschaften einführen. Das Thema heute: islamisches Recht.

Kurnaz wird seit den Attentaten vermehrt auf das Thema Religion und Gewalt angesprochen. Er ärgert sich darüber, dass die Terroristen den Koran missbrauchen, um ihre Taten zu rechtfertigen. «Die Terroristen berufen sich auf Aussagen des Propheten, die in einer speziellen Situation, in einer Kriegssituation, gemacht wurden.»

SVP-Politiker drückt Schulbank

Das Zentrum bietet aber nicht nur eine Vorlesung und ein Seminar an, sondern auch Weiterbildungen. Diese richten sich an Leute, die oft mit Muslimen zu tun haben und an Imame. Der Leiter des Zentrums, Hansjörg Schmid, kündigt etwa ein Seminar zur Prävention gegen Radikalisierung von jugendlichen Muslimen an. «Da sind Imame als Fachleute dabei und wir hoffen auch weitere als Teilnehmer zu erreichen.»

Doch nicht alle sehen die Aktivitäten des Zentrums gerne. Die SVP Freiburg hat eine Initiative eingereicht, die die Schliessung verlangt. Grossrat Emanuel Waeber, einer der Köpfe hinter der Initiative, hat am Mittwoch die Vorlesung besucht, um sich ein Bild zu machen. Er hat vor allem inhaltliche Bedenken. «Zuallererst wäre die Frage zu klären, welches Wissen hier vermittelt wird, ist es eine säkulare Religion?»

Kein Islam im Hinterhof

Es gebe nicht einen Islam, hält Hansjörg Schmid dagegen. «Der Islam ist vielfältig, und es geht nicht darum, dass wir dem Islam ein Gütesiegel aufdrücken.» Das Ziel müsse es aber schon sein, dass es einen Islam gebe, der hier gut verankert sei und nicht isoliert in den Hinterhöfen stattfinde.

Drei Studenten in einem Klassenzimmer.

Bildlegende: Noch hält sich das Interesse in Grenzen. SRF

Die Initiative der SVP befindet sich im Moment bei der Freiburger Regierung. Wie es weitergeht, macht die SVP von einem eventuellen Gegenvorschlag abhängig. Eine Vorlesung und ein Seminar: Der Start des Zentrums für Islam und Gesellschaft ist bescheiden. Und steht in starkem Kontrast zu der Kontroverse, die das Zentrum ausgelöst hat.