Gurlitt und Bern «Es ist kein Zufall, dass die Sammlung Gurlitt nach Bern kommt»

Es war eine grosse Überraschung, als bekannt wurde, dass der deutsche Kunstsammlersohn Cornelius Gurlitt seinen riesigen Nachlass dem Kunstmuseum Bern vermacht hatte. Ein Buch von drei Berner Journalisten zeigt jetzt: Zwischen Bern und den Kunsthändlern der Nazis gab es langjährige Verbindungen.

Seit dem Kunstmuseum Bern die Sammlung Gurlitt zugeschlagen wurde – Gurlitt hatte es so in seinem Testament festgehalten – gab es keine eindeutige Antwort auf die Frage, wie eng die Verbindungen der Familie Gurlitt nach Bern waren.

In einem Buch suchen zwei Berner Journalisten und eine Journalistin nun nach Antworten. Die Recherchen hätten gezeigt, dass die Verbindungen von Bern zu deutschen Händlern und Sammlern enger waren als bisher angenommen – gerade zu Leuten mit entarteter Kunst und Raubkunst in ihren Beständen.

«  Eberhard W. Kornfeld war der wichtigste Händler von Gurlitts Werken. »

Oliver Meier
Journalist

Co-Autor Oliver Meier sagt: «Der Kunsthändlerssohn Gurlitt bewegte sich in einem Netzwerk, und darin war der Berner Galerist Eberhard W. Kornfeld eine zentrale Figur, er war nämlich der wichtigste Händler der Werke von Gurlitt.»

Stattliches Haus von aussen fotografiert.

Bildlegende: Gebäude der Galerie Kornfeld an der Laupenstrasse in Bern. Keystone

Kornfeld hatte die Kontakte zu Gurlitt nie abgestritten. Dass die Kontakte eng waren, ist aber neu. «Im Nachlass von Gurlitt haben wir über 80 Briefe gefunden zwischen Gurlitt und Kornfeld.» Über 30 Werke von Gurlitt sind in der Berner Galerie verkauft worden.

Verbindungen reichen weiter zurück

Doch dieser Kontakt sei nicht der einzige gewesen. Bereits der Vater von Cornelius Gurlitt habe Kontakte nach Bern gepflegt, schreiben die Autoren. Hildebrand Gurlitt war der offizielle Kunsthändler der Nationalsozialisten. Er lieferte Bilder an August Klipstein, jener Händler, der sein Unternehmen später an Eberhard W. Kornfeld übergeben sollte.

Drehscheibe Bern

«Bern war im Nachgang zum 2. Weltkrieg eine Drehscheibe für den Handel mit entarteter Kunst», sagt Meier im Gespräch. «Wenn in Bern Auktion war, kamen die Händler von weither angereist.»

Portrait Oliver Meier

Bildlegende: Oliver Meier, Autor und Journalist bei Radio SRF 2 Kultur. ZVG

Von Bern aus seien die Werke weiterverkauft worden, unter anderem ins Guggenheim-Museum in New York.

Illegal sei daran nichts gewesen, so Meier, denn der Handel mit entarteter Kunst sei zulässig. Inwiefern auch Raubkunst über den Tisch ging, also Werke, welche die Nazis den Juden gestohlen hatten, lasse sich nicht sagen.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12:03 / 17:30 Uhr)

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