EVP-Grossrat Marc Jost wird zum Grossratspräsidenten gewählt

Der Thuner EVP-Grossrat Marc Jost ist für ein Jahr höchster Berner. Das Kantonsparlament wählte den 41-Jährigen zum neuen Grossratspräsidenten. Regierungspräsident für ein Jahr ist der Freisinnige Hans-Jürg Käser. Einige Misstöne waren bei der Wahl der Vizepräsidien zu hören.

Marc Jost mit einem Blumenstrauss in der Hand.

Bildlegende: Sesselrücken: Marc Jost tritt die Nachfolge von Béatrice Struchen an. Christian Liechti / SRF

FDP-Regierungsrat Hans-Jürg Käser hatte in den letzten Jahren mit harter Kritik an seiner Amtsführung zu kämpfen, so etwa wegen einem Durcheinander im Migrationsdienst, einer Affäre des ehemaligen Direktors der Strafanstalten Thorberg oder wegen Filzvorwürfen im Beschaffungswesen der Polizei. Als Regierungsrat wurde Käser aber 2014 dennoch wiedergewählt.

Von den Vorwürfen an Käsers Amtsführung sei wenig übrig geblieben, sagte am Montag im Grossen Rat FDP-Fraktionssprecher Adrian Haas. Und nach den Regierungsratswahlen schaue man wieder etwas sachlicher auf die Arbeit der Regierung.

Auch als Regierungspräsident war Käser am Montag nicht umstritten. Für den fast 66-jährigen Polizei- und Militärdirektor ist es bereits das zweite Präsidialjahr nach 2010. Das Regierungspräsidium wird turnusgemäss jedes Jahr vergeben. Zur Vizepräsidentin wurde BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon gewählt.

Wertschätzung und Respekt

Das Kantonsparlament präsidiert seit Montag der Thuner EVP-Grossrat Marc Jost. Für die EVP sei es eine grosse Ehre, das Amt zu bekleiden, betonte die Sprecherin der EVP-Fraktion im Grossen Rat.

Jost wurde von seiner Partei seit mehreren Jahren aufgebaut und beteiligte sich an verschiedenen Wahlkämpfen etwa für den Ständerat oder den Regierungsrat, auch wenn die Erfolgschancen nie gross waren. Der ehemalige Lehrer und Pfarrer konnte damit aber seinen Namen bekannt machen und für die EVP Präsenz markieren. Nun belohnte ihn die Partei mit der Nomination fürs Grossratspräsidium.

Der bekennende Christ stellte sein Amtsjahr am Montag im Rat unter das Motto «Wertschätzung und Respekt».

Diskussion um Besetzung der Vizepräsidien

Für Misstöne sorgte die Wahl der Vizepräsidien. Die Sitze des ersten und zweiten Vizepräsidenten besetzen diejenigen Personen, die dereinst das Grossratspräsidium übernehmen sollen.

Nominierten die Parteien bislang stets erfahrene und meist altgediente Grossrätinnen und Grossräte für die Vizepräsidien und damit später für das Grossratspräsidium, brach der Freisinn letztes Jahr mit dieser Tradition.Schon damals gab dieser Umstand viel zu reden, schliesslich wählte der Grosse Rat den vorgeschlagenen Thuner Carlos Reinhard aber dann doch zum zweiten Ratsvize.

Auch am Montag kochte die Diskussion wieder hoch, als es darum ging, Reinhard nun zum ersten Vize zu wählen. Die SVP machte klar, dass sie sich in Zukunft wieder politisch erfahrenere Anwärter wünschte. Und auch bei anderen Fraktionen war ein gewisses Unbehagen spürbar. Am Ende wurde der Thuner aber dann doch komfortabel gewählt. Auch die zweite Vizepräsidentin, die Spiezer SP-Grossrätin Ursula Zybach, schaffte die Wahl.