Filière Bilingue: Leuchtturm oder Luxusprojekt?

In Biel gehen seit vier Jahren deutsch- und französischsprachige Kinder zusammen in die Schule. Die Erfahrungen sind gut. Daher wird dieses in der Schweizer Bildungslandschaft einzigartige Projekt bis 2018 verlängert. Doch auch die Kritik am Projekt verstummt nicht.

Das Projekt «Filière Bilingue» will leben, was auf den Bieler Strassen Alltag ist: die Zweisprachigkeit. In sprachlich gemischten Kindergarten- und Schulklassen erleben Kinder von Anfang an einen ungezwungenen Zugang zu beiden Sprachen und Kulturen. Das Projekt läuft seit 2010 und umfasst aktuell acht Klassen mit rund 160 Schulkindern. Nun soll es auf die 3. bis 6. Primarklassen ausgedehnt werden. Bei den Eltern ist Filière Bilingue beliebt: Die Nachfrage nach Plätzen ist noch immer drei bis viermal höher als das Angebot.

Mit den bisherigen Ergebnissen des Pilot-Versuchs sind die Behörden zufrieden. Die Leistungen der «FIBI»-Kinder seien vergleichbar mit jenen ihrer Kameraden an deutschen respektive französischen Schulen. Bei den Bilingue-Kindern setze in der Regel eine rasche Entwicklung in der anderen Sprache ein.

Angst vor Segregation

Trotzdem: Ganz unumstritten ist die «Filière Bilingue» nicht. Die Bieler Schulen haben einen hohen Anteil an fremdsprachigen Kindern, die nicht selten ihre eigene Muttersprache kaum richtig beherrschen, geschweige denn Deutsch oder Französisch. «Filière Bilingue» habe etwas Elitäres und sei vor allem für
bildungsnahe Mittelstandsfamilien, befürchten Kritiker wie der Stadtrat Alain Pichard noch heute. Er ist selber Lehrer. Zurück blieben dann die «Ghettoklassen» mit fremdsprachigen Kindern.

In die Aussenquartiere ausdehnen

Schulklassen für Privilegierte wolle die Stadt Biel natürlich nicht, betonen die Bieler Behörden. Die Stadt denkt deshalb darüber nach, das Projekt nicht nur im Plänke-Schulhaus in der Innenstadt anzubieten, sondern auf Bieler Aussenquartiere mit hohem Ausländeranteil auszudehnen. Ein weiteres Ziel ist, den Anteil an fremdsprachigen Kindern in der «Filière Bilingue» künftig zu steigern.