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Frauenfussball in Bern «Dr Goalie bi nid ig»

Immer mehr Mädchen und Frauen spielen Fussball. Trotzdem gibt es einige Baustellen. Zum Beispiel bei den Torhüterinnen.

Tor ohne Torhüterin
Legende: Das Tor bleibt leer. Martina Koch/SRF

19:30 Uhr, Worb, Platz Niederhaus, es ist dunkel und es regnet. «Hü, Froue, iloufe, när spilemer!» Trainer Rolf Freiburghaus teilt seine 2. Liga-Frauenmannschaft in zwei Gruppen auf. Zum Abschluss der Vorrunde ist ein lockeres Training angesagt: Keine Laufschule, keine Kraftübungen, keine Ballstafetten, einfach ein gewöhnliches Spiel. Nur: Wer steht ins Tor?

Diese Frage stellen sich nicht nur die Femina Kickers. Fast alle Frauenteams im Fussballverband Bern/Jura (FVBJ) sind ständig auf der Suche nach einer Torhüterin.

Porträt
Legende: SRF

«Uns ist dieses Problem bekannt», sagt Franziska Bühlmann, die Frauen-verantwortliche beim Regionalverband Bern/Jura.

Weibliche Goalies sind selten.
Autor: Franziska BühlmannFrauenverantwortliche FVBJ

Aber es sei schwierig, das Problem zu lösen. «Viele Mädchen, die in Bubenteams spielen, stehen nicht im Goal», so Bühlmann. Das sei aber teilweise auch die Schuld der Trainer, denn «Trainer wollen oft gewinnen und nicht ausbilden.» Oft traue man den Mädchen diese Position schlicht nicht zu.

Das Goalieproblem ist nicht neu. Dennoch gibt es aktuell Bestrebungen, das Problem zu beheben. Zum Beispiel werden spezielle Trainings für Torhüterinnen angeboten.

Tendenz steigend

Frauenfussball boomt. Immer mehr Mädchen und Frauen in der Schweiz begeistern sich für den Sport.

Legende:
Fast zehnmal mehr Frauen und Mädchen schweizweit: 2002 erschien der Film «Bend it like Beckham». Wohl kein Zufall, dass die Kurve stark nach oben zeigt. Quelle: FVBJ FVBJ

Auch im Regionalverband Bern/Jura wirkt sich das aus. Die Liste von Vereinen mit Frauenmannschaften wird immer länger. «Etwas problematisch ist aber, dass viele Vereine nur eine Aktivmannschaft haben», sagt Franziska Bühlmann.

Die Juniorinnenabteilung fehle. Das heisst, es mangelt an eigenem weiblichen Nachwuchs. Irgendwoher braucht man aber trotzdem immer wieder neue Spielerinnen.

Die Vereine werben sich gegenseitig die Mädchen ab.
Autor: Franziska BühlmannFrauenverantwortliche FVBJ

Deshalb hole man die Mädchen bei anderen Vereinen. Jungs hingegen müssen zum Teil sogar warten, bis sie bei einem Verein aufgenommen werden.

Rolf Freiburghaus, der Trainer
Legende: SRF

Es fehlt an (fast) allem

Der Trainer der Femina Kickers, Rolf Freiburghaus, steht jedes Wochenende auf dem Platz und coacht seine Frauen.

Ich wünsche mir mehr Funktionärinnen.
Autor: Rolf FreiburghausTrainer Femina Kickers 2. Liga

«Bei unserer 2. Liga-Frauenmannschaft hat es deutlich weniger Fans, als bei der 4. Liga-Männermannschaft des SC Worb.» Das sei schade. Auch mit den Sponsoren sei es schwierig. Und er fände es toll, wenn sich mehr Frauen als Funktionärinnen engagieren würden. «Ich wünsche mir eine Präsidentin für den Club Femina Kickers, wie es sich für einen reinen Frauenverein eigentlich gehört.»

Noch viel zu tun

Der Verband Bern/Jura kennt die Probleme der Frauenteams. Franziska Bühlmann spricht Klartext: «Es gibt sogar Vereine, die haben nur wegen den Mitgliederbeiträgen ein Frauenteam.»

Mit einer jährlichen Versammlung und verschiedenen Veranstaltungen versuche der Verband, die Vereine dafür zu sensibilisieren, dass auch die Mädchen und Frauen im Club eingebunden werden.

Es gibt immer noch faule Sprüche.
Autor: Franziska BühlmannFrauenverantwortliche FVBJ

Aber: «Zwingen kann man niemanden, an diesen Veranstaltungen auch teilzunehmen», so Bühlmann. Frauenfussball sei – trotz allem – noch nicht vollständig akzeptiert: «Es gibt immer noch faule Sprüche.»

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 6:32/17:30 Uhr)

Femina Kickers Worb

Fussballfeld, Frauen stehen in Gruppe beieinander
Legende: Martina Koch/SRF

Der Verein wurde 2006 gegründet. Er besteht ausschliesslich aus Frauen- und Mädchenteams. Insgesamt hat der Club etwa 140 Spielerinnen. Seit 2013 sind die Femina Kickers wieder in der Nationalliga B vertreten.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Danny Kinda (Kinda)
    Professioneller Frauenfussball ist für mich keine Option - zu langweilig. Im Breitensport schaue ich manchmal am Spielfeldrand etwas zu. Was auffällt ist, das weniger diskutiert wird mit dem Schiri und es wird nicht rum geschrien. Auch spucken sieht man seltener. Das ist an sich noch ganz angenehm.
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