Freiburger Staatsratswahlen: Der Unterschied liegt im Detail

Das Freiburger Stimmvolk wählt am 22. September den Nachfolger von CVP-Staatsrätin Isabelle Chassot in der Kantonsregierung. Drei Kandidaten bewerben sich um den Sitz, wobei nur zwei reelle Wahlchancen haben.

Jean-François Steiert und Jean-Pierre Siggen.

Bildlegende: Der klassische Zweikampf Links (Jean-François Steiert, SP) gegen Rechts (Jean-Pierre Siggen, CVP). SRF

Alles deutet auf einen Zweikampf Rechts gegen Links hin: Die bürgerlichen Parteien SVP, FDP und CVP sind eine Wahlallianz eingegangen, um dem CVP-Grossrat Jean-Pierre Siggen (51) zur Wahl zu verhelfen. Die linken Parteien SP, Grüne und CSP stehen geschlossen hinter SP-Nationalrat Jean-François Steiert (52).

Dritter Kandidat ist der unabhängige Alfons Gratwohl (62). Er ist im Duell der beiden Favoriten nur Aussenseiter, könnte aber einen zweiten Wahlgang erzwingen.

Bekanntheit gegen Arithmetik

Auf Papier ist die bürgerliche Wahlallianz im Vorteil, sie kann im Kanton Freiburg auf rund zwei Drittel der Wählerstimmen zählen. Bei einer Majorzwahl kommt es erfahrungsgemäss aber stark auf die Persönlichkeit der Kandidierenden an.

Diesbezüglich ist die SP im Vorteil: Ihr Kandidat Jean-François Steiert ist in der Freiburger Politlandschaft ein Schwergewicht. Er sitzt seit 2007 im Nationalrat und wurde 2011 mit einem sehr guten Resultat in diesem Amt bestätigt.

Beruflich ist Steiert Aussenbeauftragter der Waadtländer Erziehungsdirektion. Sein Kontrahent, Jean-Pierre Siggen, leitet den Freiburger Arbeitgeberverband.

Politisch feine Unterschiede

Bei Themen, die den Kanton derzeit beschäftigen, sind die Unterschiede der beiden Kandidaten kleiner als vermutet. Beide Kandidaten sind zum Beispiel für teilautonome Schulen und auch der Meinung, die Schule müsse die Zweiprachigkeit fördern.

Jean-Pierre Siggen findet auch eine Konzentration auf ein Akutspital im Kanton unausweichlich. Jean-François Steiert möchte wichtige medizinische Leistungen in den Regionen belassen. Weiter möchte er abwarten, ob die künftige Poyabrücke eine Entlastung bringt, bevor er sich über eine mögliche Umfahrung von Düdingen äussert - während Jean-Pierre Siggen eine Umfahrungsstrase befürwortet.

Der mögliche Spielverderber: Alfons Gratwohl

Alfons Gratwohl.

Bildlegende: Alfons Gratwohl SRF

Er möchte den Wählern eine Alternative bieten, «abseits der ideologischen Rechts-Links-Thematik», sagt der 62jährige Alfons Gratwohl.

In Basel aufgwachsen, lebt er seit 1989 in Surpierre. Mit seiner Kandidatur will er die Nichtwähler ansprechen. «Ich bin keiner Partei, sondern den Wählern verpflichtet».

Die Ersatzwahl ist nötig, weil der Freiburger Bundesrat Alain Berset per 1. November Isabelle Chassot zur neuen Direktorin des Bundesamts für Kultur ernannt hat.