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Fusion zu Grossbern Für die einen nötig, für die anderen Utopie

Legende: Bern mit elf Nachbargemeinden srf

Rund 250'000 Einwohner und die zweitgrösste Stadt der Schweiz – dafür braucht es aber das «Ja» der Agglo-Gemeinden. Ein neues Grossbern hätte mehr Einwohnerinnen und Einwohner, als Genf oder Basel. Die neue Schweizer Stadt hätte Gewicht – nicht nur national, sondern auch international.

Wenn man sieht, dass viele Gemeinden um Bern mit den selben Herausforderungen konfrontiert sind, sei eine engere Zusammenarbeit zu prüfen – bis hin zur Fusion. Das sagt Bänz Müller, SP-Gemeindepräsident von Wohlen.

Müller erwähnt die Raumplanung, die in einem Grossbern besser angepackt werden könnte: «Industrie- oder Bauzonen zu definieren, das geht heute kaum mehr im Alleingang.» Auch bei der Bauverwaltung, dem Strassenunterhalt und der Feuerwehr könne man zusammenspannen.

Ein Alleingang wird immer schwieriger.
Autor: Bänz MüllerGemeindepräsident Wohlen bei Bern

Mit einem Zusammenschluss könne man Ressourcen gewinnen, sagt der SP-Gemeinderat. Verlieren könne man Identität, so die Befürchtung vieler Bürgerinnen und Bürger. Bevor aber über eine Fusion gesprochen werde, brauche es eine Auslegeordnung, so Müller, der auch Mitglied im Verein «Bern neu gründen» ist.

Muri bei Bern habe einen Zusammenschluss in einem Grossbern schlicht nicht nötig: «Mit 13'000 Einwohnerinnen und Einwohnern hat Muri eine gesunde Grösse. Wir können uns bewegen, Anliegen der Bevölkerung aufnehmen.» Ein Grossraum Bern hingegen sei schwerfällig.

Grösser ist nicht immer besser.
Autor: Thomas HankeGemeindepräsident Muri-Gümligen

Dass die Verwaltung der Region in einem Grossbern einfacher wird, glaubt FDP-Politiker Hanke nicht. Es gebe auch Studien, die sagen, dass eine grössere Einheit mehr Verwaltung brauche.

Heute schätze er die gesunde Konkurrenz unter den Gemeinden. «Man misst sich untereinander, vergleicht, optimiert.»

Daniel Bichsel: «Es gibt viele Hausaufgaben zu machen»

Porträt von Daniel Bichsel.

Daniel Bichsel ist Präsident des Verbands bernischer Gemeinden. Er verschliesst sich der Debatte über ein Grossbern nicht; ist jedoch skeptisch.

«Als ich das erste Mal von diesen Plänen hörte dachte ich, jetzt ist der Grössenwahn ausgebrochen», so Bichsel. Die Pläne seien eine Vision, deren Vor- und Nachteile es jedoch gelte fundiert zu prüfen. Vorteile sieht er zum Beispiel in der Verkehrs- und Siedlungsplanung.

Wie lange es braucht, bis die Vision «Grossbern» Realität wird, kann Daniel Bichsel nicht abschätzen. «Vorher müssten alle, auf allen politischen Ebenen, ihre Hausaufgaben machen. Und das sind viele.»

3 Kommentare

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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Wenn acht Gemeinden gut kooperieren, statt sich im Steuerwettbewerb konkurrenzieren, sind sie nach Innen und nach Aussen stark. Eine fusionierte Grossstadt Bern ist nach Innen schwach und kann den Bedürfnissen im Kleinräumigen nicht nachkommen. Und sie ist nach aussen schwach, weil sie alleine antreten muss, statt im Verbund mit den anderen Gemeinden.
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  • Kommentar von A. Moser (AM)
    Je grösser eine "Einheit" ist, desto mehr Verwaltung braucht es. Und je grösser eine Verwaltung ist, desto mehr wird pauschalisiert und nicht mehr auf die Bedürfnisse der Individuen eingegangen, sondern nur noch auf die Masse. Und eine Masse lässt sich leichter "lenken" - deshalb wundert es nicht, dass die "Massenpartei SP" für ein solches Projekt ist. Zusammenarbeit in Teilbereichen kann Sinn machen - eine Fusion wird nur den Ämtern und Verwaltern einen "Gewinn" bringen!
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  • Kommentar von Roger Stahn (jazz)
    «Als ich das erste Mal von diesen Plänen hörte dachte ich, jetzt ist der Grössenwahn ausgebrochen», so Daniel Bichsel. Max Frisch nannte das «Verstädterung» und beschrieb es so: «Museal gepflegte Stadtkerne wurden umringt von langweiligen Schlafstädten und verdichteten sich nach und nach zu einer urbanisierten Infrastruktur, die das Gebiet vom Genfer See bis zum Bodensee prägt.» Stattdessen sein ungewöhnlich präziser Vorschlag 1955, den radikalen Bruch mit der Schweizer Städteplanung forderte...
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