Zum Inhalt springen
Inhalt

Gefragter Rohstoff Den Bauern ist die Lust am Chinaschilf vergangen

Früher investierte der Bund viel in die Forschung, heute fühlen sich die Bauern im Stich gelassen.

Chinaschilf ist ein wertvoller Rohstoff, der auch in der Schweiz immer gefragter ist – als Baustoff oder Brennmaterial zum Beispiel. Früher hat der Bund den Anbau stark gefördert. Heute kaum mehr.

Das sei nicht nachhaltig, sagen die Chinaschilf-Produzenten. Zum Beispiel Ueli Freudiger. Der Landwirt hat vor über 20 Jahren als einer der ersten in der Schweiz Chinaschilf angebaut. «Es ist eine Wunderpflanze», sagt Freudiger. «Mit der Pflanze lässt sich vieles machen – und sie ist gut für den Boden.»

Chinaschilf ist äusserst nützlich.
Autor: Ueli FreudigerChinaschilf-Produktion
Porträt
Legende: Ueli Freudiger setzt sich seit Jahren für den Rohstoff ein. SRF/Thomas Pressamann

Ueli Freudiger führt in ein Büro in einer schmucklosen Lagerhalle in Gals im Berner Seeland. Die Wände des Büros sind aus Chinaschilf. Mit Chinaschilf wird im Winter geheizt. Freudiger zeigt auf ein Gestell mit Bechern und Besteck – alles aus Chinaschilf.

Der Chinaschilf-Pionier öffnet eine Vitrine und entnimmt ein paar Legosteine. Auch sie sind aus Chinaschilf. «Alle Kunststoffteile können wir durch unseren Rohstoff ersetzen.»

Ausser im Gesundheitsbereich sei dem Chinaschilf (oder Miscanthus) keine Grenzen gesetzt. Zur Not lässt sich das Schilf sogar Tieren verfütten.

Steigende Nachfragen – keine Produzenten

Mittlerweile steigt in der Schweiz die Nachfrage. Doch ein Viertel des Rohstoffes – die Fasern der Stängel – muss gemäss der IG Miscanthus importiert werden. Nur noch etwa hundert Schweizer Bauern pflanzen Chinaschilf an. Früher waren es doppelt so viele. Denn trotz steigender Nachfrage lohnt sich das Anpflanzen nicht.

Der Grund: Chinaschilf aus dem Ausland ist um einiges günstiger. Früher erhielten die hiesigen Bauern tausend Franken oder mehr Direktzahlungen vom Bund, heute gibt es praktisch nichts mehr.

Schilffeld, dahinter Jurakette
Legende: Ein Feld mit Schilf – wie hier im Berner Seeland – kann jahrelang am selben Ort wachsen. SRF/Thomas Pressmann

Warum forschen, aber nicht fördern?

Vor ein paar Jahren liessen verschiedene Bundesämter und der Kanton Bern den Nutzen der Pflanze erforschen, mehrere hunderttausend Franken Bundesgelder sind in die Forschung geflossen. Nun hat das Interesse beim Bund nachgelassen.

Ueli Freudiger schüttelt darüber den Kopf: «Es wurden viele Steuergelder für die Entwicklung der Produkte eingesetzt. Nun müssen wir für die Herstellung den Rohstoff aus dem Ausland nehmen», sagt Freudiger. «Das ist doch absurd.»

Das ist die Begründung des Bundesamtes

Ob die Produktion von Chinaschilf in der Schweiz gefördert wird oder nicht, hat mit der heutigen Agrarpolitik zu tun. Ausschlaggebend für die Zurückhaltung des Bundes sind gemäss Sprecherin Florie Marion zwei Gründe: Früher wie heute rentiere die Produktion in der Schweiz nicht. Zudem sei die Landwirtschaftspolitik derzeit auf die Produktion von Nahrungsmitteln ausgerichtet, so die Sprecherin des Bundesamtes für Landwirtschaft. Der Anbau nachwachsender Rohstoffe ist somit zweitrangig.

Seit 2014 erhalten die Chinaschilf-Bauern kaum mehr Geld für die Produktion – obwohl die vom Bund geförderten Studien zum Schluss kamen, dass Chinaschilf unter anderem als Kunststoff-Ersatz und Energie-Lieferant geeignet ist. «Wir können verstehen, dass es für die Produzenten schwierig ist, das nachzuvollziehen», sagt Sprecherin Florie Marion. «Doch der Fokus, was gefördert wird und was nicht, hat sich verschoben.»

(Rendez-vous 12:30 Uhr)

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Joel Busch (Joel)
    Scheint doch alles zu laufen wie es soll, die Schweiz hat know-how und macht die wichtige technische Wertschöpfung im Land, der Rohstoff wird importiert von wo er am Billigsten ist. Was genau hat die Schweiz zu gewinnen wenn wir die Bauern subventionieren diesen Rohstoff herzustellen? Das senkt doch nur unsere Nahrungsmittelversorgungssicherheit. Oder geht es um den Kapitalverlust durch den Import? Ich denke durch Export von Endprodukten des Schilfs rechnet sich das wieder.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alfred Schläpfer (191.5yenokavan)
    Die gut 150'000 Stellen, die laut Bundesamt für Statistik auf den Schweizer Bauernhöfen gezählt werden, bei einer Bevölkerung von ca. 8,5 Mio also keine 2%, erhalten Mrd. Subventionen (3,5 - 5 Mrd. pro Jahr, je nach Statistik), genügen aber nicht, um dieses nachhaltige Nischenprodukt zu fördern. Auch in der Landwirtschaft gilt das Sprichwort: "Wer hat, dem wird gegeben". 33 Verarbeitungsbetriebe erhalten jährlich über 1 Mio Franken an Subventionen. Ueli Freudiger macht sich mit Recht Gedanken.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen