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Geld für Schulausflüge «Ich denke nicht, dass die Eltern pingelig sein werden»

Legende: Audio Bernhard Pulver, Erziehungsdirektor Kanton Bern abspielen. Laufzeit 4:16 Minuten.
4:16 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 16.03.2018.

Eltern sollen künftig zwischen 15 und 25 Franken pro Tag an obligatorische Schul- und Sportlager, Landschulwochen und Schulreisen ihrer Kinder zahlen. Die bernische Erziehungsdirektion hat ihre bisherige Empfehlung aufgrund eines Bundesgerichtsurteils angepasst.

Kanton reagiert auf Bundesgericht

Das Bundesgericht kam im vergangenen Dezember zum Schluss, dass die Volksschule grundsätzlich unentgeltlich sein muss. Die Schulen dürften von den Eltern also nur den Betrag verlangen, den sie aufgrund der Abwesenheit ihrer Kinder einsparen. Das Bundesgericht geht, abhängig vom Alter des Kindes, von Beiträgen zwischen 10 und 16 Franken aus.

Bisher empfahl die Erziehungsdirektion Kostenbeiträge zwischen 20 und 30 Franken pro Tag.

SRF News: Bern schlägt vor, den Eltern 15 bis 25 Franken in Rechnung zu stellen. Weshalb hält sich der Kanton nicht an die Vorgaben des Bundesgerichts?

Bernhard Pulver: Das Urteil des Bundesgerichts lässt durchaus etwas Spielraum. Das Gericht hatte einen Fall zu beurteilen aus dem Kanton Thurgau. Da hatten die Eltern Kosten von 300 Franken zu übernehmen. Die Richter entschieden, das ist definitiv zu viel.

Man darf das Urteil nicht überinterpretieren.
Autor: Bernhard PulverErziehungsdirektor

Mit den maximal 25 Franken pro Tag sind wir im Kanton Bern wohl gar nicht so schlecht unterwegs. Und das entspricht auch dem Grundsatz des Bundesgerichts, dass die Schule nur jenen Betrag von den Eltern verlangen darf, den diese einsparen, wenn ihr Kind nicht zu Hause ist.

Wie kommen sie denn auf maximal 25 Franken pro Tag?

Das Bundesgericht hat in seinem Urteil nur die Kosten für die Verpflegung berücksichtigt. Wenn ein Kind jedoch in einem Lager ist, fallen für die Eltern ebenfalls Kosten für die Betreuung, Freizeitaktivitäten u.s.w. weg.

Der Kanton kann lediglich Empfehlungen abgeben. Was, wenn sich die Eltern nicht daran halten?

Dieses Risiko besteht. Ich bin trotzdem optimistisch, dass unsere Empfehlung funktioniert. In den letzten zehn Jahren hatten wir nie eine Beschwerde. Viel mehr sind die Eltern froh und dankbar, dass die Schulen Lager organisieren. Ich denke deshalb nicht, dass die Eltern beim geforderten Betrag pingelig sein werden.

Ausserdem: Für Eltern, die diesen Betrag nicht bezahlen können, weil sie zum Beispiel ein tiefes Einkommen haben, gibt es die Härtefallregelung. Da sollten die Gemeinden den Eltern entgegenkommen.

Das Gespräch führte Brigitte Mader.

Bernhard Pulver

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Bernhard Pulver ist noch bis im Sommer Erziehungsdirektor des Kantons Bern. Er wurde 1965 in Bern geboren. Er absolvierte die Wirtschaftsmatur, studierte an der Universität Neuenburg Rechtswissenschaften und war unter anderem Generalsekretär der Grünen Partei Schweiz. Seit 2006 ist Pulver Regierungsrat des Kantons Bern.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von gregor wyder (Batman70)
    na ja herr pulfer gehört sicher nicht zu den familien die im kanton bern mit 5000.- oder 6000.- im monat leben und man merkt ziemlich gut wie weltfremd der mann politisiert. wir geben ca 1000.- franken für lebensmittel für vier menschen im monat aus. d.h . nach meiner rechnung kann ich, wenn ein kind ein tag im lager ist, 8.33 franken am tag einsparen. ach ja und noch was, anders rum wird das den sozialhilfebezüger auch zugemutet, dass sie mit 8 franken pro tag für essen leben müssen...
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  • Kommentar von Markus Feierabend (Quantenmechanik)
    Eine Sauerei !
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  • Kommentar von M. Spring (Golf)
    Es gibt Familien die mit Fr. 15.- bis 25.- pro Tag 4 und mehr Personen ernähren müssen! Es gibt wohl kaum Familien die für ein Kind (3 Mahlzeiten) um die Fr. 20.- pro Tag ausgeben können! Auch finde ich die Antwort von B. Pulver, dass Betreuungs- und Freizeitkosten eingespart werden können echt stossend!
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    1. Antwort von Hans Meier (hm)
      Für solche Fälle gibt es ja die Härtefallregelung. Grundsätzlich geht es darum, ob Schulen noch Aktivitäten organisieren können und dies ist ohne Finanzierung nun mal nicht möglich.
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