Gemeindepolitiker brauchen mehr Anerkennung

Die Gemeinden tun gut daran, ihre Gemeinderats- und Kommissionsmitglieder etwas pfleglich zu behandeln. Wer sich in politischen Ämtern einsetzt, soll zumindest Anerkennung ernten. Das sagte der Politologe Andreas Ladner am Thuner Politforum.

«Wer macht (noch) mit?» - das Thuner Politforum 2013 nimmt sich eines Problems an, das in vielen Gemeinden landauf, landab immer dringender wird: Es wird immer schwieriger, Leute für ein politisches Amt zu finden.

Andreas Ladner am Politforum Thun

Bildlegende: Spezialist für Gemeindepolitik: der Politologe Andreas Ladner am Politforum Thun SRF

Offenbar interessiert das Thema. Mit 350 bernischen Gemeindevertreterinnen und -vertretern verzeichnet das Thuner Politforum 2013 einen Beteiligungsrekord. Einfache Lösungen gibt es nicht, warnt der Politologe Andreas Ladner allerdings.

Leute mobilisieren, die bisher abseits stehen

Wenn eine Gemeinde nicht mehr in der Lage sei, die Ämter zu besetzen, dann könne eine Fusion zu grösseren Einheiten ein Ausweg sein. Grösse gebe zwar mehr Distanz, aber biete mehr Professionalität und eine grössere Auswahl an möglichen Amtsträgern. Zudem sei es denkbar, ältere oder ganz junge Leute zu mobilisieren, die bisher in der Politik abseits stehen. Das Bild, dass ein Gemeinderat eine Versammlung von alten Männern sei, stimme nämlich überhaupt nicht. Die Mehrzahl der Amtsträger sei jünger und mit Familie und Beruf sehr stark engagiert.

Amtszeitbeschränkung ist zweischneidig

Andreas Ladner rät auch, die in vielen Gemeinden übliche Amtszeitbeschränkung zu überdenken. Eine solche Beschränkung sei zwar praktisch, wenn man ein Kommissionsmitglied, einen Gemeinderat oder eine Präsidentin loswerden wolle. Die Kehrseite sei aber, dass man so Leute aus dem Amt dränge, die bewährt sind und die Bereitschaft hätten, im politischen Amt weiterzufahren.