Gemischte Reaktionen auf Vorschläge der BLS-Begleitgruppe

Im Chliforst bei Riedbach im Westen von Bern soll dereinst die neue Werkstätte des Bahnunternehmens BLS entstehen. Das empfiehlt die Begleitgruppe. Zudem soll die BLS drei statt zwei Standorte betreiben. Die Stiftung Landschaftsschutz droht bereits mit rechtlichen Schritten.

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Neuer Vorschlag für BLS-Werkstatt

2:41 min, aus Schweiz aktuell vom 20.9.2016

Eine Grafik der Werkstätte.

Bildlegende: Für die Werkstätte müssten Teile des Waldes weichen. ZVG

Die Begleitgruppe schreibt in einer Mitteilung, durch den Verzicht auf die Zwei-Standort-Strategie liesse sich der Flächenbedarf für eine neue Werkstatt reduzieren. Den Standort Chliforst-Nord empfiehlt die rund 35-köpfige Begleitgruppe unter anderem deshalb, weil dort keine Gebäude abgerissen werden müssten.

Bisher setzte die BLS für eine neue Werkstatt auf den Moosacher beim Bahnhof Riedbach und eine Zwei-Standort-Strategie mit Spiez und Bern als Standorten. Die heutigen Werkstätten in Bönigen und Oberburg möchte die BLS mittelfristig aufgeben.

BLS prüft Empfehlungen

Die Begleitgruppe wurde im Juli 2015 eingesetzt, nachdem die BLS eingestehen musste, dass ihre Werkstättenplanung hinter verschlossenen Türen nicht optimal gewesen war. Der Gruppe gehören Behörden, Vertreter von Parteien, Verbänden und der Wirtschaft an sowie direkt Betroffene aus dem Westen Berns.

Die BLS will die Empfehlungen der breit abgestützten Begleitgruppe nun prüfen.

Positive Reaktionen von Stadt und Wirtschaftsvertretern

Die Vorschläge der Begleitgruppe haben unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Vorsichtig positiv beurteilt die Empfehlungen die Berner Stadtregierung. Sie schreibt in einer Medienmitteilung, zwar beurteile sie das Gebiet Chliforst «nach wie vor kritisch». Dieses Areal belaste aber von allen möglichen Standorten im Westen der Stadt den Lebens- und Landschaftsraum am wenigsten stark. Auch sei der Chliforst für die künftige Stadtentwicklung weniger problematisch als andere Gelände.

Positiv wertet der Berner Gemeinderat auch die Forderung der Begleitgruppe, von der Zwei-Standort-Strategie abzurücken. Der Gemeinderat werde nun die Feinbeurteilung des Gremiums vertieft beraten. Er sei bereit, mit der BLS nach verträglichen Lösungen zu suchen.

Auch der Handels- und Industrieverein des Kantons Bern (HIV) schreibt, der Vorschlag reduziere den Kulturlandverbrauch erheblich. Der HIV unterstütze diese Variante. Und die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Bern (IGöV) schreibt von einem «richtigen Standort für die neue Werkstätte der BLS».

Kritische Voten bei den Landschaftsschützern

Die Grünen des Kantons Bern hingegen finden, wenn die neue BLS-Werkstätte im Gebiet Chliforst gebaut würde, wäre dies «ein raumplanerischer Sündenfall». Positiv ins Gewicht fielen zwar die geringeren Kosten als bei der Variante Moosacher Riedbach und ein geringerer Kulturlandverlust.

Noch deutlicher drückt sich Raimund Rodewald, Präsident der Stiftung Landschaftsschutz, aus: «Aus raumplanerischer Sicht ist der Vorschlag der Begleitgruppe völlig verfehlt, die Anlage steht im wahrsten Sinn des Wortes quer in der Landschaft.» Sollte die BLS den Vorschlag Chliforst weiterverfolgen, erwäge man rechtliche Schritte, sagt Rodewald.

Die Stiftung Landschaftsschutz sass in der Begleitgruppe und stemmte sich in der Schlussabstimmung erfolglos gegen den Vorschlag Chliforst. Dieser wurde letztendlich mit 58 zu 40 Prozent bei einigen Enthaltungen angenommen.

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