Personalmangel im Gotteshaus Gesucht: Organist oder Organistin

Zahlreiche Kirchen suchen neue Organisten. Mit der Bereitschaft, jedes Wochenende zu arbeiten.

Die Kirche von aussen, umgeben von Bäumen

Bildlegende: In der katholischen Kirche Murten ist – wie an vielen andern Orten – die Stelle als Organist oder Organistin vakant. Elisa Häni/SRF

Eigentlich ist Fabian Hucht nicht der Organist. Auch wenn er es kann. Er ist als pastoraler Mitarbeiter der katholischen Kirche Murten angestellt. Die Orgel spielt er im Gottesdienst neben zahlreichen anderen Aufgaben, als Notlösung.

«  50 Jahre lang war unsere letzte Organistin im Dienst, freiwillig.  »

Fabian Hucht
über die letzte Organistin der katholischen Pfarrei Murten

Seit die letzte Organistin vor einem Jahr pensioniert wurde – sie spielte die Orgel neben ihrem Beruf als Lehrerin – sucht die Kirchgemeinde jemand Neues, bisher vergeblich. Vielleicht liegt es an den Arbeitszeiten: Kirchenorganisten sind zu etwa 30 Prozent angestellt, sie arbeiten jedes Wochenende.

«  Heute überlegen die Leute zweimal, ob sie sich für jedes Wochenende verpflichten wollen. »

Zita Schroeter
Verwalterin Pfarrei Murten

Das sei wohl ein Grund dafür, dass eine solche Aufgabe heute weniger attraktiv sei als früher, vermutet Zita Schroeter, Verwalterin der Pfarrei. «Früher ging man einfach in die Kirche und hatte dieses Amt inne. Heute hätten die Leute gern etwas mehr Freizeit.»

Die beiden vor der Orgel in der katholischen Kirche Murten

Bildlegende: Zita Schroeter und Fabian Hucht von der Pfarrei Murten: «Orgelmusik gehört zur Festlichkeit eines Gottesdienstes.» Elisa Häni/SRF

Käme denn auch eine Kirche ohne Orgel in Frage? «Das gibt es», sagt Pastoralmitarbeiter Fabian Hucht. In der Kirche in Bellechasse zum Beispiel habe es keinen Organisten. «Da stimmt jemand die Lieder an und dann wird a capella gesungen.» Doch er möchte die Orgel nicht grundsätzlich missen. Live-Musik gehört für ihn zu einem festlichen Gottesdienst. «Musik ab CD ist etwas anderes.»

Wie Orgel-Nachwuchs finden?

Kurse für Profis: An der Hochschule der Künste Bern gibt es Kurse in Kirchenmusik für professionelle Organisten, und neuerdings auch Orgelkurse für Pianisten. «Es kann attraktiv sein für Berufsmusiker und -musikerinnen, nebenberuflich eine Anstellung in einer Kirche zu haben», sagt Susanna Meyer. Sie arbeitet bei der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn unter anderem für die Gottesdienstentwicklung.
Junge Talente vor Ort: Nachwuchsförderung können auch die Kirchgemeinden selber betreiben, indem sie talentierte junge Leute fördern, sagt Susanna Meyer: «Da ist dann die Frage, ob sie offene Türen haben, gratis üben gehen dürfen, und ob man sie auch im Gottesdienst spielen lässt.»
Rolle stärken: Schliesslich sei es wichtig, findet Susanna Meyer, dass die Rolle der Musikerinnen und Musiker in der Kirche gestärkt werde. Sie sollten ihre eigenen Ideen einbringen können, auch wenn diese ungewohnt klingen. «Wenn sie zum Beispiel Alphorn und Schlagzeug in die Kirche bringen, kann das neue Leute anziehen.» Das könne durchaus auch den Bedürfnissen der Kirchgemeinden nach frischem Wind entsprechen.