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Bern Freiburg Wallis «Gute Zoos machen eine Gesellschaft besser»

Am MäntigApéro ging es wild zu und her. Die Frage: Wie soll der Tierpark Dählhölzli seine Bären halten? Ausschlag für den Anlass gab der Tod der beiden Jungbären im April.

Die Berner und ihre Bären: Das ist seit jeher ein emotionales Thema. Als Anfang April die beiden Jungbären im Tierpark Dählhölzli das Spiel mit ihrem Vater nicht überlebten, gingen die Wogen hoch. Die Kritiker waren laut, direkt und im Internet oft auch anonym. Tierparkdirektor Bernd Schildger erklärte auf Einladung des Regionaljournals und der SRG Bern Freiburg Wallis nun, wie es ihm während dieser Zeit ergangen ist und stellte sich in gesitteter Atmosphäre noch einmal der Kritik.

Dabei ging es um die Frage: Sollen Wildtiere in Gefangenschaft Nachwuchs haben dürfen? Nach Auffassung des Tierparks ist es für die Tiere wichtig, einmal in ihrem Leben Junge aufzuziehen – auch wenn das bedeutet, dass es die Kleinen vielleicht nicht überleben. Das Risiko eines Dramas wurde bei den Bären bewusst in Kauf genommen.

Was heisst lebenswertes Leben?

Eine grosse Kritikerin von Bernd Schildger war am MäntigApéro auch zugegen. Sara Wehrli vom Schweizer Tierschutz stellte klar: «Bären können auch ein lebenswertes Leben haben, wenn sie sterilisiert sind.» Für Wehrli gibt es für Tiere in Gefangenschaft kein Recht auf Nachwuchs – auch um diesen vor abnormalem Verhalten der Eltern zu schützen. Viele Jungtiere müssten zudem eingeschläfert werden, weil der Zoo keinen Platz für sie hat. Sara Wehrli stellte einen Zoo mit Nutztierhaltung gleich: «Die Tiere werden von Menschen gehalten.» Und das sei per se nicht natürlich.

Die Debatte wurde vom Philosophen Markus Wild ergänzt, der die Haltung von Tieren im Zoo grundsätzlich in Frage stellt. «Wenn wir die Wahl haben zwischen zwei Übeln - hier dem vorzeitigen Sterilisieren der Bären und dem Risiko für den Nachwuchs - können wir immer eine dritte Möglichkeit suchen. Und die wäre vielleicht, diese Tiere gar nicht im Zoo zu halten.»

Bernd Schildger hielt dem entgegen, dass man dieses Thema nicht nur rational, sondern auch emotional begreifen müsse. Und da leiste der Zoo einen wertvollen Zugang. «Gute Zoos machen eine Gesellschaft besser», meinte er zum Abschluss der Gesprächsrunde und erntete dafür viel Applaus.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Meier, Zürich
    Der Zoo ist nicht die Natur. Die kleinen Bären hatten von Anfang an keine Chance. Das ist der grosse Unterschied, den viele hier wegdiskutieren wollen. Die Mutter hatte gar keine Möglichkeit die Jungen, so wie in der Natur, vom Vater in Sicherheit zu bringen. Jetzt wirft man den Tierschützern vor, dass sie die brutale Natur nicht in den Zoos haben wollen. In Wahrheit will man nur Faire Verhältnisse. Das heisst, dass die Mutter die Jungtiere trennen und dann aufziehen kann.
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  • Kommentar von Hans Urli, Langenberg
    Ich habe mittlerweile den Verdacht, die Tierschützer fahren eine gemeine Strategie, den Zoos die artgerechte Haltung zu verunmöglichen, um dann Zoos ganz abschaffen zu können. Das ist nicht nur unredlich und sicher nicht im Interesse der meisten Bürger und Familien, sondern geht auch zu Lasten der Tiere: Für die Durchsetzung einer Ideologie wird in Kauf genommen, dass Zootieren natürliche Verhaltensweisen vorenthalten werden und sie unter Langeweile leiden. Und sowas nennt sich Tierschützer!
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  • Kommentar von Sam Wermoser, Bern
    Risiken gehören zum Leben. Tote Bärenkinder gibt es in der Natur massenhaft. Eine Bärenmutter wirft über 20 Jahre ihres Lebens alle 2-3 Jahre 3-4 Jungtiere - davon dürfen letztlich nur genau zwei überleben, um die Eltern zu ersetzen. Also rund 100 sterben. So ist Natur. Aber die Tierschützer wollen Zootiere vor jeder Gefahr schützen, mit der Folge, dass sich große Langeweile ausbreitet. Wenn Tiere dann gelangweilt auf- und ablaufen, wird gleich behauptet, es sei krankhafte Verhaltensanomalie.
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