Hotelstatistik: Deutsche und Belgier überraschen die Hoteliers

Die Hotelübernachtungen im Berner Oberland, im Wallis und in den Freiburger Tourismusgebieten haben im Januar und Februar 2015 ganz ordentlich zugelegt. Angesichts teurem Franken, billigem Euro und schwierigem Winterwetter hätte man das Gegenteil erwartet.

Hotelschlüssel an der Reception

Bildlegende: Hotelschlüssel an der Reception wurden anfangs 2015 mehr nachgefragt als erwartet. Keystone

Als die Schweizerische Nationalbank im Januar aufhörte, den Eurokurs auf 1,20 Franken zu stabilisieren, schwante der Tourismusbranche Arges. Für ausländische Gäste wurde der Franken von einem Tag auf den andern teuer, für Schweizer Gäste waren Ferien im Euroland plötzlich günstig und das Winterwetter spielte dazu auch wochenlang nicht mit.

Jetzt kommt das Bundesamt für Statistik mit den Logiernächte-Zahlen für Januar und Februar 2015. Und diese Zahlen sind das Gegenteil aller Befürchtungen.

Die Walliser Hotels verkauften 2,4 Prozent mehr Logiernächte. Das entspricht ungefähr der Schweizer Zunahme. Freiburg legte um 1,5 Prozent zu. Und das Berner Oberland trumpft mit einem Zuwachs von 4,2 Prozent auf. «Das deckt sich mit unserer Einschätzung, dass die Buchungen für die Wintersaison gemacht waren, bevor die Nationalbank den fixen Eurokurs aufhob», begründet Beat Anneler diese Diskrepanz zwischen den Befürchtungen der Hoteliers und dem viel besseren Ergebnis.

Auch die Euro-Gäste kommen noch

Der enorme Zustrom an asiatischen und chinesischen Gästen ist ein Grund für die steigenden Logiernächte. Interlaken kann ein gutes Stück vom Kuchen abschneiden. Aber auch die klassischen Eurogäste kommen: Plus 44 Prozent aus Belgien, plus 4 Prozent aus Deutschland, plus 6 Prozent aus Holland. «Wir sind natürlich froh, wenn sich der Euromarkt etwas stabilisiert», sagt Beat Anneler.

Auch die Einheimischen lassen das Ferienland Schweiz offensichtlich nicht im Stich. Gesamtschweizerisch hat die Zahl der Schweizer Gäste um gut acht Prozent zugenommen. Beat Anneler ist für die ganze Wintersaison recht zuversichtlich. Allerdings müsse man dann die Rechnung machen, wenn die Zahlen von Dezember bis April vorlägen, mahnt er.

Für die Wintersportgebiete in den Kantonen Bern, Wallis und Freiburg ist die Gesamtbilanz allerdings durchzogen, wie eine Regionalumfrage am Osterdienstag zeigt. Viele Gebiete haben unter dem späten Winteranfang gelitten. «Wir waren eigentlich bereit mit unseren Pisten», sagt Philippe Sproll, Geschäftsführer der Jungfrauregion. Aber wegen des warmen Wetters und des fehlenden Schnees seien viele Leute in der Schweiz lange nicht in Winterstimmung gekommen. Auch der Entscheid der Nationalbank ist da und dort konkret spürbar gewesen. «Ab diesem Augenblick hat es während einigen Wochen keine Buchungen mehr aus dem Euroraum gegeben», sagt Urs Pfenninger, Tourismusdirektor von Adelboden.

Das Wallis, das wegen der vielen sehr hoch gelegenen Skigebiete gut durch die Saison gekommen ist, will aus der Frankenstärke Lehren ziehen. «Wir stellen uns auf ein noch zahlungskräftigeres Publikum ein», sagt Damian Constantin von Valais/Wallis Promotion. Ausserdem wolle man Erlebnisse fördern, die exklusiv nur das Wallis anbieten könne.