Ingenieurausbildung: «Das Bessere ist der Feind des Guten»

Maschinenbaufirmen aus der Region Thun wünschen sich von der Berner Fachhochschule eine fokussiertere Ingenieurausbildung. Nur so könne die Industrie auf internationalen Märkten über die Runden kommen. Der Rektor und der bernische Erziehungsdirektor reagieren auf die Kritik.

Angehende Maschineningenieure der Berner Fachhochschule.

Bildlegende: Angehende Maschineningenieure der Berner Fachhochschule. zvg BFH

Die fünf grössten Maschinenbaufirmen der Region Thun sind mit der Ingenieurausbildung an der Berner Fachhochschule nicht zufrieden. «Wir können auf den internationalen Märkten nur bestehen, wenn wir Spitzenleute haben. Und diese brauchen eine fokussiertere Ausbildung - weniger in die Breite, aber mehr in die Tiefe», sagt zum Beispiel Fred Gaegauf, CEO der Steffisburger Fritz Studer AG. Die Industriellen wünschen sich deshalb unter anderem eine weniger forschungslastige Ausbildung, mehr Mitsprache bei der Wahl von industrieerfahrenen Dozenten und eine Aufwertung der Disziplin Maschinenbau.

Kritik entspricht nicht dem Anspruch der Hochschule

Die Kritik aus der Praxis erstaunt BFH-Rektor Herbert Binggeli. Man habe die Vorbehalte sehr ernst genommen und reagiert bei der Ausbildung. Denn die Berner Fachhochschule nimmt für sich explizit in Anspruch, Lehre und Forschung bei der Ingenieurausbildung stark mit den Bedürfnissen der Wirtschaft und der Praxis zu verknüpfen.

Wertediskussion der Ausbildung nun auch an der Hochschule

Allerdings zeigt der Zwist, dass die grundsätzliche Diskussion nun auch die Fachhochschule erreicht, welchen Ansprüchen der Wirtschaft eine Ausbildung genügen muss. Eine Kontroverse, die Erziehungsdirektor und Regierungsrat Bernhard Pulver aus der Volksschule und von den gewerblichen Lehrmeistern zur Genüge kennt. «Wir sind im Fall der Maschineningenieure daran, Ausbildungsmodule auf ihre Verbesserungsmöglichkeit zu überprüfen, der Schulrat hat diesen Auftrag», sagt Bernhard Pulver, «denn der Feind des Guten ist das Bessere».

Allerdings betont Regierungsrat Bernhard Pulver auch, dass die Kritik aus der Region Thun nicht repräsentativ sei. «Es sind sehr spezielle Anliegen. Aber es ist nicht ein generelles Problem, denn ein grosser Teil der Industrie ist mit der Ausbildung junger Ingenieure an der Berner Fachhochschule sehr wohl zufrieden. Wir können stolz sein, was sie leistet.»