Josef Vaucher: «Das Blatt hat sich gewendet»

Die Stadt Freiburg sei auf dem richtigen Weg in Sachen Zweisprachigkeit, sagt Sonntagsgast Josef Vaucher. Der studierte Historiker setzte sich 15 Jahre lang an vorderster Front für ein friedliches Miteinander beider Sprachgruppen ein.

Portrait von Josef Vaucher.

Bildlegende: Josef Vaucher: «Eine frankophone Ideologie, die veraltet ist.» SRF

Josef Vaucher war von 1997 bis 2012 Präsident der Deutschfreiburgischen Arbeitsgemeinschaft DFAG - ein Verein, der sich heute für die Zweisprachigkeit stark macht.

«Bei der Gründung vor gut 50 Jahren war die Zweisprachigkeit aber noch kein Thema. Damals ging es darum, den Deutsch-freiburgern die gleichen Rechte zu verschaffen wie den Welschen», erinnert sich Josef Vaucher.

Ein Kampf um Gleichberechtigung, der erst 2004 mit der neuen Kantonsverfassung endgültig gewonnen wurde.

Veraltete, frankophone Ideologie

Für die aktuelle Debatte rund um das neue, rein französische Logo der Stadt Freiburg hat Josef Vaucher kein Verständnis. «Diese frankophone Ideologie ist heute aber veraltet», so Josef Vaucher.

Umso mehr, weil die Stadt Freiburg in vielen Bereichen bereits durch und durch zweisprachig sei. Zum Beispiel bei den Schulen oder im administrativen Bereich.

Der «Häperetùmmer» als Erinnerung an früher

Josef Vaucher ist auch Herausgeber des «Häperetùmmer», ein Senslerdeutsches «Blettli, wa aube n'iinisch usachunnt». Die Publikation soll einerseits das Senslerdeutsche als geschriebene Sprache bewahren, aber auch aufzeigen, welche Sorgen und Nöte Mitte des 20. Jahrhunderts im Sensebezirk herrschten.

«Man kann sich heute kaum noch vorstellen, wie arm die Bauern früher waren. Aber man fühlte sich nicht arm. Man hatte zwar nicht viel - aber was man hatte, genoss man.» Auf die Frage, ob denn heute alles einfacher sei, sagt Josef Vaucher: «Früher war es schwierig, aber interessant. Wenn ich die heutigen Kinder anschaue, möchte ich nicht tauschen».