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Jugendszene in Bern Reitschule seit 30 Jahren besetzt und umstritten

Legende: Video Zwischen Schandfleck und Kulturoase abspielen. Laufzeit 12:04 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 26.10.2017.
Legende: Video Die Reitschule - Seit 30 Jahren besetzt und umstritten abspielen. Laufzeit 09:46 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 24.10.2017.

1987 ging als «Heisser Herbst» in die Geschichte ein. Nicht wegen spätsommerlicher Temperaturen, sondern wegen Jugendlichen, die auf der Strasse lautstark Freiraum forderten. Am 24. Oktober besetzten die Jugendlichen die leerstehende Reitschule, die von der Polizei gleich wieder geräumt wurde.

Feststimmung in Reitschule 31.10.87
Legende: Tage später solidarisierten sich kulturelle Institutionen mit den Jungen und verlegten ihr Programm in die Reithalle. Keystone/Archiv

Gleichzeitig solidarisierten sich die Jungen mit den Bewohnern der Hüttensiedlung Zaffaraya, als diese von der Polizei geräumt wurde. Nach der Räumung entstand eine Protestbewegung, die in einer Grossdemonstration von 10'000 Menschen gipfelte.

Man muss sich vorstellen, 400 Punks marschieren in einen Laden und wollen sich beraten lassen. Die haben kapituliert.
Autor: Endo AnacondaSänger von Stiller Has

Zudem protestierten einige hundert Jugendliche friedlich für die Errichtung eines autonomen Jugendzentrums, indem sie den Abendverkauf in Berner Geschäften störten. «Man muss sich vorstellen, 400 Punks marschieren in einen Laden und wollen sich beraten lassen. Die haben kapituliert», erinnert sich Endo Anaconda, Sänger von Stiller Has.

Das kulturelle Klima in Bern war vergleichbar mit Pyöngjang.
Autor: Endo AnacondaSänger von Stiller Has

Er war an vorderster Front dabei vor 30 Jahren. Es habe damals kein Angebot für Junge gegeben, sagt er. «Das kulturelle Klima in Bern war vergleichbar mit Pyöngjang.» Schliesslich gab die Stadt nach und Ende 1987 wurde die Reitschule definitiv eröffnet.

Gewalt überschattet Kulturbetrieb

Die Reitschule hat sich in den letzten 30 Jahren mit ihrem breiten Angebot an Konzerten, Parties, Theater oder Kino fest im Berner Kulturleben integriert. Von vielen wird sie als der grösste Berner Jugendclub bezeichnet. Tausende Jugendliche verbringen auf dem Vorplatz der Reitschule ihr Wochenende.

Doch der Kulturbetrieb wird immer wieder von Problemen mit Drogen und Gewalt überschattet. Der Handel und Konsum von Drogen, gewaltbereite Chaoten, die sich im Innern der Reitschule verstecken und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Diese Themen prägen die politische Debatte seit Jahren.

Die Kultur sei nur ein Deckmantel, sagen die Gegner der Reitschule. Sie werfen der Reitschule vor, gewaltbereiten Chaoten Unterschlupf zu gewähren. «Wir fordern, dass sich die Reitschüler nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten von der Gewalt distanzieren», sagt etwa Rudolf Friedli, Präsident der Stadtberner SVP.

Sechste Abstimmung steht bevor

Auch Sympathisanten und Befürworter der Reitschule sehen die Gewalt – und Drogenproblematik und stören sich daran. So auch der grüne Stadtrat Manuel C. Widmer, der früher in der Reitschule gekocht hat: «Ich habe immer noch viel Sympathie für die Reitschule, insbesondere den kulturellen Betrieb. Aber das Gewaltpotential und die Drogenproblematik müsste man von der Reitschule wegbringen.»

Ob Schandfleck oder Chance – Berner Politiker mögen sich nicht einig sein, die Stimmbevölkerung hat in bisher fünf Abstimmungen immer zu Gunsten des Kulturzentrums entschieden. Bald steht die sechste Abstimmung an: die SVP hat gegen einen Kredit zur Sanierung der Grossen Halle das Referendum ergriffen.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Lukas Schürch (schürch86)
    Die Reitschule führt ein Kino, einen Konzertsaal, ein Theater, eine Bibliothek, eine Druckerei, einen Frauenraum, ein Restaurant, eine Bar und einen Vorplatz mit Tischtennistischen. Wochenende für Wochenende treffen sich hier unzählige Menschen zum gemeinsamen Austausch bei Musik, Bier und Käsekuchen. Yes!!
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    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      L. Schürch ja das ist ja wunderbar, wenn dies so herrlich beschrieben wird. Warum kommen denn immer wieder solch negative Berichte aus dieser Reithalle, woran liegt dies? Sicher es gibt unterschiedliche Menschen die sich dort treffen können, darum kann man ja auch nicht alle in den gleichen Topf werfen. Aber was ist der Grund, dass oft von dieser Reithalle her, Gewalt auf den Strassen von Bern gegen die Polizei vorkommen und immense Schäden anrichten, was will man denn damit erreichen?
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    2. Antwort von Lukas Schürch (schürch86)
      Die negativen Berichte stehen in keinem Verhältnis zum gewaltfreien Betrieb der Reitschule. Wenn es chlöpft, dann zwischen Demonstranten (die von irgendwoher kommen und direkt nix mit dem Betrieb zu tun haben) und der Polizei. Im Fribourger Club mit dem hübschen Namen «1291» habe ich schon mehr Schlägereien miterleben müssen als jemals in der Reitschule, wo friedliches Beisammensein offensichtlich zum Fundus gehört.
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  • Kommentar von Marlies Artho (marlies artho)
    Anscheinend ist bei jugendlichen viel Energie vorhanden,umso mehr sollte doch die Möglichkeit bestehen,dass die jugendl. ihre Energie in Sachen Ordnung einsetzen,dass dieses Denkmalgeschützte Gebäude nicht zu einem "Schandfleck" mit Abfallbergen vor der Tür wird, vielleicht eher animieren zur Pflege dieses alten Hauses,Imagepflege verbessern, Aufenthalt pflegen und sorge tragen. Treffen ist gut, wenn sinnvoll genutzt, jedoch Anstachelung zur Gewalt oft unter Drogen, Alkohol gibt leider Probleme.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Wie wäre es mit der Pflege der eigenen Schreibkunst☺
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    2. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      A. P. Danke für den Hinweis. Da bitte ich Sie nicht nur die Schreibkunst zu beobachten,sondern sich eher auf den Inhalt des Schreibens zu konzentrieren und versuchen diesen zu verstehen.Schrieb schon einmal, dass schreiben nicht meine stärke ist,zu dem stehen ich, ohne dass ich mich Minderwertig fühlen muss, um meine Meinungen zu äussern. So hat jeder seine stärken und schwächen. Es gibt ein Lied (ja das Schreiben und das Lesen war nie mein Fach gewesen) smail
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  • Kommentar von Edi Steinlin (stoni)
    Nur weiter so liebe Berner/innen, die Stadt hat zwar nur ca. 2,3 Milliarden Bruttoschulden aber Kultur im Sinne der Reitschule ist eminent wichtig.
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    1. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      Stimmt nicht: die Stadt Bern hat Bruttoschulden von ca. 1 Mia Fr., was für ein Gemeinwesen dieser Grösse als gesund eingestuft werden kann. Die rot-grüne Stadtregierung hat übrigens im Jahr 1992 von den Bürgerlichen eine völlig desolate Finanzsituation "geerbt" - und diese seither massiv verbessert.
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