Junge Fischadler in der Strafanstalt Bellechasse

In der Schweiz gibt es wieder Fischadler: Sechs Jungvögel sind aus Schottland in die Region Murtensee gebracht worden. Die jungen Raubvögel werden auf dem Areal des Freiburger Gefängnisses Bellechasse bei Sugiez aufgezogen.

Fliegender Fischadler mit zwei Fischen in den Krallen.

Bildlegende: Der Fischadler fehle heute in der Schweiz, findet der Verein «Nos Oiseaux». Keystone

Die Jungvögel sind ein Geschenk der schottischen Regierung. Zwei sind weiblich, vier männlich. Sie sind zwischen vier und fünfeinhalb Wochen alt. Sie leben nun auf dem Landwirtschaftsland des Gefängnisses Bellechasse bei Sugiez in Volieren.

Dieser Ort wurde wegen der Ruhe ausgewählt: Aus Sicherheitsgründen ist der Zutritt zu den 350 Hektaren Land von Bellechasse für die Öffentlichkeit verboten. Begeistert von der Neuansiedlung sind die Häftlinge und das Personal von Bellechasse. Die Schreinerei baute die Volieren für die Vögel.

Auf dem Gefängnisareal kümmern sich Spezialisten und Freiwillige um die neuen Insassen. Direkte Kontakte zwischen Mensch und Fischadler darf es dabei nicht geben. Die Vögel werden mit einer Webcam überwacht. Installiert wurde das einer Sicherheitsagentur würdige technische Überwachungsgerät vom Naturmuseum Freiburg.

Sushi für Fischadler

Das Futter erhalten die jungen Raubvögel fünf Mal täglich aus einer Klappe. Zu fressen gibt es von Fischern der Gegend gelieferten Weissfisch. «Wir zerlegen ihn in kleine Stücke ohne Gräten, wie Sushi», sagt Denis Landenbergue vom Verein «Nos Oiseaux». So würden es auch die Altvögel tun. Fischen lernen die Jungvögel erst, wenn sie nach Süden gezogen sind.

Zwei junge Fischadler in einer Voliere.

Bildlegende: Zwei der jungen Fischadler in den eigens für sie eingerichteten Käfigen in Bellechasse, fotografiert am 14. Juli 2015. Keystone

Den Fischadlern scheint es auf dem Landwirtschaftsland von Bellechasse zu behagen. «Es geht ihnen gut», berichtet Wendy Strahm, Biologin und Koordinatorin für das Projekt.

Mitte August sollen die Volieren geöffnet werden, damit die Jungvögel in der Umgebung erste Flüge unternehmen können. Mitte September sollen sie dann bereit sein für die Reise Richtung Westafrika. In vier Jahren, wenn sie erwachsen sind und wenn sie überlebt haben, werden sie am Murtensee zurückerwartet. Fischadler bleiben nämlich ihrer Heimat treu.

Seit 100 Jahren ausgestorben

Fischadler brüteten in der Schweiz 1914 zum letzten Mal. Wilderer und Eiersammler waren der Grund, dass die Raubvögel danach aus dem Land verschwanden. Immerhin lassen sich Fischadler - sie sind Zugvögel - zuweilen am Himmel beobachten.

Aufwändiges Projekt

Der Westschweizer Verein «Nos Oiseaux» hat das Projekt der Wiederansiedlung von Fischadlern zu seinem 100-Jahr-Jubiläum lanciert. Nach dem Storch in den 1950er-Jahren und dem Bartgeier in den 1990er-Jahren ist der Fischadler der dritte Vogel, der in der Schweiz wieder angesiedelt werden soll. Bevor die Jungvögel in die Schweiz gebracht werden konnten, brauchte es jahrelange Vorbereitung. Der Weg war gespickt mit administrativen Hindernissen. Das Projekt kostet 120'000 bis 150'000 Franken und wird von zwei Stiftungen unterstützt.

Die sechs Jungvögel, die nun nach Bellechasse gekommen sind, stammen übrigens aus «Grossfamilien», in denen Jungvögel eingehen können, weil sie von den Altvögeln zu wenig Nahrung erhalten.

Erwachsene Fischadler können eine Flügelspannweite von bis zu 170 Zentimetern erreichen.