Kampf um Walliser Tamoil-Raffinerie: Umweltschäden befürchtet

Der Kanton und die Gewerkschaften kämpfen um den Erhalt der Arbeitsplätze in Collombey. Doch Tamoil will die Raffinerie weder verkaufen noch den Betrieb weiter laufen lassen. Da stellt sich die nächste Frage: Was geschieht mit dem riesigen kontaminierten Werksgelände?

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Tamoil-Raffinerie: Umweltschäden befürchtet

5:14 min, aus Schweiz aktuell vom 2.3.2015

Die Task Force hatte ganze Arbeit geleistet. Rund vierzig Interessenten sollen sich gemeldet haben auf den Aufruf. Es geht um die Raffinerie von Tamoil in der Unterwalliser Gemeinde Collombey-Muraz.

Als Tamoil vor rund einem Monat bekannt gab, die Raffinerie «vorübergehend» zu schliessen und die Angestellten zu entlassen, schlossen sich Vertreter von Kanton, Standortgemeinde und den Gewerkschaften zu einer Gruppe zusammen, um mit Tamoil zu verhandeln. Immerhin geht es um über 250 Arbeitsplätze.

Genf? Holland? Libyen?

Doch Tamoil wollte weder Kurzarbeit einführen lassen, noch sonst mit sich verhandeln lassen. Einziger Hoffnungsschimmer: Die Task Force darf für Tamoil an der Raffinerie interessierte Käufer suchen. Dies hat die Gruppierung getan.

Vierzig interessieren sich für einen allfälligen Kauf der Raffinerie. Davon zwei «ganz seriöse», gemäss Staatsratspräsident Jean-Michel Cina. Er und die Task Force warten nun auf Antwort aus – ja, woher? Einige der Tamoil-Verantwortlichen sitzen in Genf, der Holding-Sitz der Oilinvest SA ist in Holland – und die Besitzer von Oilinvest wiederum sind in Libyen zu suchen.

Kontaminiertes Gelände

Es ist nicht einfach, Ansprechpartner bei Tamoil zu finden. Und ob Tamoil die Raffinerie wirklich verkaufen will? Yannick Buttet, Gemeindepräsident von Collombey-Muraz und ebenfalls in der Task Force, zweifelt: «Wir geben uns wirklich alle Mühe, aber meine Hoffnung schwindet von Tag zu Tag.»

Damit rückt langsam aber sicher ein Thema in den Vordergrund, das wohl noch einige Bauchschmerzen verursachen könnte: Die Umweltverschmutzung. Die ganz grosse Frage ist: Wie stark ist das riesige Werksgelände kontaminiert? Wer übernimmt eine allfällige Sanierung – oder gar den Rückbau der Anlage?

Yannick Buttet: «Nach Angabe der kantonalen Behörden soll der Boden gar nicht so stark verschmutzt sein.» Jean-Michel Cina: «Die Untersuchungen dazu sind im Gang.»

«  Der Boden soll gar nicht so stark verschmutzt sein »

Yannick Buttet
Gemeindepräsident

Ortswechsel. Cremona, eine mittelgrosse Stadt auf halbem Weg von Mailand nach Venedig. Auch hier hatte Tamoil eine Raffinerie betrieben, noch grösser als jene im Wallis. 2010 wurde der Betrieb eingestellt, über 300 Mitarbeiter wurden entlassen.

Die Raffinerie steht noch immer, auch die Böden sind noch nicht saniert. Und dies, obwohl ein Gericht im Herbst 2014 festhielt, dass die Böden auf dem Werksgelände sehr stark kontaminiert sind, vor allem mit Benzol und Toluol, zwei stark krebserregenden Raffinerie-Erzeugnissen.

Gefängnisstrafen und verseuchtes Grundwasser

Messungen zeigten: Die Grenzwerte bei Benzol waren bis zu zehntausendfach überschritten. Zwei Tamoil-Direktoren wurden erstinstanzlich zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

Sergio Ravelli, ein Anwohner der Raffinerie in Cremona, hatte zusammen mit anderen Anwohnern gegen Tamoil geklagt: «Erst aufgrund der Untersuchungen durch die Staatsanwaltschaft hat sich herausgestellt, dass auch sämtliche Grundwasserbrunnen in- und ausserhalb des Firmengeländes hochgradig verseucht waren.»

«  Sämtliche Grundwasserbrunnen waren hochgradig verseucht »

Sergio Ravelli
Anwohner

Könnte es in Collombey auch so weit kommen? Gemeindepräsident Buttet: «Früher waren Kanton und Gemeinde wohl etwas zu locker im Umgang mit Tamoil. Aber seit einigen Jahren haben wir Druck gemacht und ja, die Resultate sind da, fast alle Umwelt-Probleme sind geregelt.»

Ob dem wirklich so ist, wird wohl erst die Zukunft weisen. Bleibt zu hoffen, dass es in Collombey nicht zu einem ähnlichen Erwachen kommt wie im italienischen Schwester-Werk in Cremona.

(Schweiz Aktuell, 19:00 Uhr)

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